Pflegen & Wohnen
Aus PrivatisierungsWiki
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Pflegen & Wohnen (P&W) betreibt Pflegezentren (Demenz, Wachkoma), Spezialeinrichtungen zur Wiedereingliederung bei Sucht und psychischen „Störungen“ sowie Wohnunterkünfte für Flüchtlinge und MigrantInnen.
pflegen & wohnen ist ein Unternehmen der Freien und Hansestadt Hamburg. Seit 1997 arbeiten wir in der Rechtsform einer Anstalt öffentlichen Rechts nach dem Leitsatz „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“.
(Selbstdarstellung November 2005)
Zum Januar 2007 wurde Pflegen & Wohnen an private Betreiber übergeben.
“pflegen & wohnen” ist mit über 1300 Beschäftigten in 12 Altenpflegeeinrichtungen der größte private Betreiber von Altenpflegeeinrichtungen in Hamburg. Eigentümer des Unternehmens sind zu jeweils 50 Prozent die Vitanas KG a.A., Berlin, Geschäftsführer Reinhold Gutmann und die EAF Holding Andreas Franke GmbH, Hamburg, Geschäftsführer Andreas Franke. (Nachrichtenblog für Hamburg 11.6.08)
Inhaltsverzeichnis |
November 2005
Pflegebereich als GmbH ausgegliedert
Am 3.11.2005 beschloss der Aufsichtsrat von Pflegen & Wohnen, den Pflegebereich als GmbH umzuorganisieren.
Die GmbH übernimmt alle rund 1.600 bisher im Pflegebereich tätigen Mitarbeiter. Außerdem werden rund 30 Mitarbeiter aus der Hauptverwaltung in die GmbH wechseln. Ein entsprechender Personalüberleitungsvertrag war zwischen der Geschäftsführung und dem Personalrat Ende August vereinbart worden. Der Vertrag sieht unter anderem vor, dass bis Ende 2009 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. (Behörde für Soziales und Familie, Pressestelle 4.11.05)
Bis zum Sommer soll die Entscheidung für einen Käufer der neuen GmbH fallen. (Hamburger Abenblatt 5.11.05)
Eine Erklärung von ver.di Hamburg dazu konnte ich nicht finden. (Stand: 9.11.05)
Weitere Einzelheiten
LBK Hamburg ist ja schon vertickt - jetzt ist P&W (Pflegen & Wohnen) an der Reihe. Der Aufsichtsrat hat eine GmbH gegründet, in der die 12 Pflegeheime mit 1600 Mitarbeitern und die Hauptverwaltung mit 30 Leuten ausgelagert und zusammengefasst sind. Da scheint eine Aktualisierung der Website dringend geboten - da steht noch was von Anstalt öffentlichen Rechts und über die frisch gegründete GmbH gibt´s noch rein gar nichts...
Ab dieser Woche geht nun die Investorensuche los und da agiert ein Beraterkonsortium aus Warburg, KPMG, Latham & Watkins und der verehrten Finanzbehörde - also alles ausgewiesene Fachleute für die Anforderungen der Altenpflege... Bis zum Sommer 2006 soll eine Senatsentscheidung zum Käufer fallen. Finanzsenator Peiner gibt an, dass die GmbH für Investoren deshalb besonders interessant ist, weil sie in der Gewinnzone fährt - ist ja auch einfach, weil sie als Ausgliederungs-Gründung wie ein Schmetterling den Kokon der Altlasten abgestreift und dem Stadthaushalt hinterlassen hat - da stehen 300 Millionen Miese im Haushalt (Pensionsverpflichtungen, laufende Verbindlichkeiten und angefallene Verluste). Dieser beeindruckende Betrag wird dann um den erhofften Kaufpreis gemindert.
Und was soll der künftige Käufer denn nun für sein gutes Geld bekommen? Nun, der Käufer soll das Geschäft der Pflege-GmbH kaufen und eigentlich die Gebäude und Flächen der GmbH mieten - kann aber auch ganz und gar kaufen. Und Flächen, die für den Pflegebetrieb nicht nötig sind, gliedert die Stadt direkt aus und vertickt sie extra als Wohnungsbauflächen - bei immerhin 42 Hektar insgesamt dürfte da auch noch einmal ein ordentliches Päckchen zusammenkommen.
Neben Peiner ist Frau Schnieber-Jastram fachlich zuständig - ja, genau - die Dame, die sich mit dem Untersuchungsausschuss zur geschlossenen Unterbringung straffälliger Jugendlicher hier so ausnehmend mit Ruhm bekleckert hat und die dabei so wenig über die Vorgänge in ihrer Hütte Bescheid wusste, dass sie die Sensationen der fachlichen Fehler der Presse entnehmen musste. Das lässt nichts Gutes ahnen.
Aber natürlich betont Finanzsenator Peiner, dass der Verkauf nur im Sinne der Beschäftigten und der 2800 Bewohner geschieht - und dass danach ein Ausbau der Standorte erfolgen soll und dass überhaupt die Sicherung der Pflegequalität an oberster Stelle steht und dass bis 2009 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein sollen. Und die Investoren sollen Erfahrung in der Pflege haben, finanzielle Leistungsfähigkeit mitbringen und auch gleich noch den Firmensitz nach Hamburg verlegen. Der Senat hat den Investitionsbedarf zuletzt bei einem dreistelligen Millionenbetrag gesehen - da dürfte das mit der Leistungsfähigkeit also wenigstens ernst gemeint sein.
Nun ja - irgendwo haben sich aber diese 300 Millionen an Miesen ja gesammelt... auch wenn die GmbH jetzt nur noch aus den Schokoladenseiten besteht, heisst das ja noch lange nicht, dass das in den nächsten Jahren anders laufen wird. Und dann dürfte nach dem Ablauf der Frist 2009 auch da - ähnlich wie beim LBK - die Sense durchgehen. Schon bei der LBK-Kritik hatten die Hamburger Bürger den richtigen Riecher - aber in Sachen P&W hat sich bisher meines Wissens nach keine nennenswerte Kritik oder Aufmerksamkeit erhoben. Und die Beteuerungen Herrn Peiners - der aufmerksame Hamburger wird feststellen, dass wir den Sermon schon mal beim Start des LBK-Verkaufs gehört haben. Bisher wurde in Sachen P&W erst die Suche nach Interessenten angeschubst, mit denen dann anschließend verhandelt werden soll - wäre also ein geschickter Zeitpunkt sich mit dem Thema zu befassen.
September 2006
Übergabe an die Vitanas Hamburg GmbH
Ver.di Pressemitteilung 14.9.06:
Beschäftigte sind verunsichert - Keine Information durch die GeschäftsführungDer Hamburger Senat hat den Verkauf der pflegen & wohnen Betriebs GmbH zum 1.1.2007 beschlossen. Die Hamburger Bürgerschaft und der Aufsichtsrat müssen noch zustimmen. Die Vitanas Hamburg GmbH übernimmt 100 % der Anteile von pflegen & wohnen Betriebs GmbH. Die Vitanas Hamburg GmbH & Co. KGaA hält 50 % der Anteile an der Vitanas Hamburg GmbH, die restlichen 50 % hält die AF Vermögens- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG. Am 8.9.2006 wurde die Vitanas GmbH & Co. KGaA von der Zehnacker Gruppe übernommen. Zehnacker ist einer der führenden Dienstleister im Bereich des kompletten Gebäude- und Facility Managements (Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden). Zu den Kunden gehören Krankenhäuser, Universitätskliniken und Altenheime sowie Industrieunternehmen und Kommunen. Der geschäftsführende Gesellschafter der Zehnacker Gruppe ist Nikolai P. Burkhart.
Seit April 2004 ist der Investor Odewald & Co. an dem Unternehmen beteiligt. Die Odewald & Compagnie wurde von Dr. Jens Odewald (ehemaliger Kaufhof-Vorstand) im Jahre 1996 gegründet. Die Gruppe investiert im Rahmen von Private-Equity-Transaktionen (Kauf, Umbau und Wiederverkauf von Unternehmen durch den Einsatz von Eigenkapital) in etablierte und wachstumsstarke Unternehmen mittlerer Größe im deutschsprachigen Raum. Private-Equity Unternehmen sind gemeinhin als "Firmenjäger" bekannt.
Die Marseille Kliniken AG informieren auf ihrer Internetseite über ihr Bieterangebot und ihre aktuelle Rechtsauseinandersetzung mit dem Hamburger Senat. Die Marseille Kliniken sind nicht gerade für ihre Arbeitnehmerfreundliche Einstellung bekannt. Am 17.6.2005 kritisierte ver.di Bochum/Herne skandalöse Zustände in einem Herner Altenheim der Marseille Kliniken.
Siehe auch
- Hamburg verkauft seine Pflegeheime
Hamburger Abendblatt 18.8.06
September 2007
Keine Zeit für die Versorgung der Menschen
[Thomas Böttcher, Betriebsrat bei »pflegen & wohnen«] sagt: "Wir haben keine Zeit für die Versorgung der Menschen". Seine bittere Erkenntnis: "So schlimm ist es in allen Heimen".Er war der Allerletzte, der sich entschied, "pflegen&wohnen" (p&w) den Rücken zu kehren: Um 23.37 Uhr, 23 Minuten vor Ablauf der Frist, gab Thomas Böttcher (53) in der Unternehmenszentrale das Schreiben ab: Er bedauere es sehr, aber er mache von seinem Rückkehrrecht zur Stadt Gebrauch. Dem Mann, der 23 Jahre als Altenpfleger tätig war, standen Tränen in den Augen.
Knapp ein Jahr nach dem Verkauf der ehemaligen staatlichen Pflegeheime mussten sich 1000 von 1600 Mitarbeitern entscheiden: Bleiben sie in dem Unternehmen, das seit Jahresbeginn der privaten Vitanas-Gruppe gehört, oder gehen sie zurück zur Stadt? Seit gestern steht das genaue Ergebnis fest: 361, mehr als ein Fünftel, wollen gehen. Für Böttcher, der als Betriebsrat lange für Verbesserungen gekämpft hat, ist dieser Schritt eine "Art passiver Widerstand". Er meint: "Es ist nicht zu verantworten, wie wenig Zeit uns für die Versorgung der alten Menschen bleibt." ...
Auch andere "p&w"-Altenpfleger haben in den letzten Tagen Kontakt zur MOPO aufgenommen. ... Viele berichten, dass sie nach dem Dienst am Ende sind. Körperlich. Aber auch psychisch. ... Böttcher ist sicher: Mit der Einführung der Pflegeversicherung habe das Dilemma begonnen. "Seither ist die Altenpflege den Gesetzen des Marktes unterworfen", sagt er. ...
Siehe auch
Juni 2008
Warnstreik um neuen Tarifvertrag
Arbeitskampf in der Altenpflege200 Beschäftigte von Pflegen & Wohnen legen die Arbeit im Streit um neuen Tarifvertrag nieder
Im Streit um einen neuen Tarifvertrag haben am Mittwoch 200 Beschäftigte von Pflegen & Wohnen (p&w) die Arbeit niedergelegt. An dem Warnstreik beteiligten sich vier der zwölf Altenpflegeeinrichtungen von p&w, teilte Ver.di-Sprecherin Sabine Bauer mit. Mit der Arbeitsniederlegung solle der Druck auf den Arbeitgeber erhöht werden, den Abschluss des öffentlichen Diensts für die 1.300 Beschäftigten zu übernehmen.
Die Berliner Vitanas KG und die Andreas Franke GmbH, gemeinsame Eigentümerinnen der Pflegeeinrichtungen, waren im April aus dem Hamburger Arbeitgeberverband ausgetreten. Ein von der Geschäftsführung mit Ver.di bereits ausgehandelter Tarifkompromiss war daraufhin Ende Mai wieder zurückgenommen worden. ...
Nachrichtenblog für Hamburg 11.6.08:
[Aufgerufen zum Streik wurden] die Beschäftigten in folgenden Seniorenzentren:
- Uhlenhorst (Heinrich-Hertz-Str. 90)
- Horn (Bauerberg 10)
- Holstenhof-Öjendorf (Elfsaal 20)
- Alsterberg (Suhrenkamp 40)
- Hauptverwaltung (Grüner Deich 17)
Ver.di-Seite zu Pflegen & Wohnen:
Unsere Forderung: Übernahme des Tarifabschlusses aus dem Öffentlichen Dienst. Dazu muss das bereits erreichte Tarifergebnis mit dem Arbeitgeber unterschrieben werden. Auf Druck der Gesellschafter musste die Geschäftsführung das Ergebnis zurückziehen und legte ein "neues", schlechteres Angebot vor.
Siehe auch
- Nachrichtenblog für Hamburg 10.6.08: Pflegen und Wohnen: Rückkehrrechte? (Link nicht mehr gültig, 5.2.1012)
- Ver.di-Seite zu Pflegen & Wohnen (enthält ausführliche weitere Informationen)
Februar 2012
Videos zum Streik bei Pflegen & Wohnen
Videos zum Streik bei Pflegen & Wohnen

