Miltenberg, Erlenbach

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Miltenberg

Die Krankenhaus-GmbH Landkreis Miltenberg wurde 1994 gegründet. Alleiniger Gesellschafter ist der Landkreis Miltenberg. Gegenstand der Gesellschaft ist der Betrieb der Krankenhäuser in Miltenberg und Erlenbach am Main einschließlich der dazugehörigen Ausbildungsstätte „Krankenpflegeschule St. Hildegard in Erlenbach am Main“ sowie Nebeneinrichtungen als Krankenhausträger. ... Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke und ist deshalb als gemeinnützig anerkannt. (Selbstdarstellung August 2005)

Ab 2002 sprach man von einem Defizit. Insgesamt wurden im Jahr 2002 6,35 Mio. Euro in Baumaßnahmen investiert. Dafür wurden Fördermittel in Höhe von 4,8 Mio. Euro gewährt. Die Zahl der Vollzeitkräfte ist in der Krankenhaus GmbH um 11 Stellen auf 616,3 gestiegen. (Pressemeldung Landratsamt Miltenberg 29.7.03)

Die KPMG wurde beauftragt ein Gutachten zu erstellen und machte verschiedene Vorschläge. KPMG ist eines der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen weltweit. Der „Freundeskreis des Krankenhauses" hatte vorgeschlagen, bei der kleineren Firma Lohfert & Lohfert ein Gutachten einzuholen, die bereits für das benachbarte Krankenhaus Wertheim tätig war, und dieses zur Hälfte auch zu bezahlen. Dies wurde vom Landrat abgelehnt. (Per E-Mail 31.8.05)

Als umsetzbar wurde angesehen, den Kreißsaal zu schließen (der zwei Jahre zuvor mit Millionenaufwand auf den neuesten technischen Stand gebracht worden war) und die chirurgische Amulanz nur noch am Tag offen zu halten. (Pressemeldung Landratsamt Miltenberg 22.6.04, SPD Miltenberg)

Hiergegen wurde ein Bürgerbegehren von einer kleinen Gruppe von ein paar Müttern, Hebammen und Honoratioren durchgeführt. Anschließend ließ sich der Sprecher dieser Gruppe (alteingesessener Firmenbesitzer) vom Landrat davon überzeugen, dass es ein Gewinn für den Landkreis ist, wenn man den Kreißsaal schließt, die Ambulanz bis 20 Uhr offen lässt und einen Computertomographen anschafft.

Es kam zu keinem Bürgerentscheid. (Blickpunkt Miltenberg Frühjahr 2003, SPD-Ortsverein Miltenberg 18.3.03)

Auf Vorschlag des Landrats und des Bürgermeisters wurde die Bürgerinitiative (klingt so links und aggresiv und deshalb kann man damit angeblich in Bayern nichts durchsetzen) umbenannt in „Freunde des Krankenhauses" und eine Mitgliederwerbung gestartet. Der Sprecher war der Meinung, er könnte den Landrat im 4-Augen-Gespräch davon überzeugen, dass das KH Miltenberg auch weiter wie bisher funktioniert. Ohne Ergebnis. Dann hieß es, die Defizite werden immer größer, die beiden (!) Krankenhäuser Miltenberg und Erlenbach müssen verkauft werden.

Sehr schnell war nur noch das Rhön-Klinikum im Gespräch.

Von den Freien Wählern kam jetzt der Vorschlag eines Klinikverbundes Miltenberg-Erlenbach und die nächstgrößere Klinik Aschaffenburg (die auch mit Defizit arbeitet). Gespräche hierzu wurden nie ernstlich geführt. Es wurden noch zwei Gutachten erstellt, einmal von Ernst & Young (plädierte für den Verbund) und dann noch von PriceWaterhouseCooper (die übrigens bilanztechnisch für das Rhön-Klinikum tätig sind) – und zwar von deren Abteilung „Mergers & Acquisitions“ (!), die für den Verkauf waren. (Rede des Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag Miltenberg 14.4.05, ÖDP Pressebericht 31.03.05, Blickpunkt Miltenberg Frühjahr 2005)


Inhaltsverzeichnis

April 2005

Übergabe an Rhön

Mitte April 2005 entschied der Kreistag des Landkreises Miltenberg mit großer Mehrheit , die Krankenhaus-GmbH Landkreis Miltenberg und damit die beiden Krankenhäuser in Miltenberg und Erlenbach, zu 100% an Rhön zu verkaufen (Pressemeldung des Landratsamts Miltenberg 12.4.05). Erstaunlicherweise stimmten auch die Freien Wähler zu 80 % für den Verkauf.

Als in einem recht späten Stadium der Krankenhausgeschäftsführer von den Grünen als unfähig angegriffen wurde, kam plötzlich heraus, dass es eigentlich gar kein Defizit gab, aber in diesem Stadium war es für Alternativanträge zu spät.

Der Kaufpreis wird geheim gehalten (Finanztreff.de / DGAP 14.4.05). Gemunkelt wird, der Kaufpreis entspreche ungefähr den Kosten für die diversen Gutachten.

Rhön will das Kreiskrankenhaus Miltenberg mittelfristig zu einer Tele-Portal-Klinik umwandeln (Finanztreff.de / DGAP 14.4.05) und im Kreis auch ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) aufbauen. Ein erster Kassenarztsitz sei angeblich bereits aufgekauft.

Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks (15.4.05) hat Rhön vertraglich Investitionen von 23 Millionen € zugesagt. SPD, Bündnis-Grüne, ÖDP und FDP kritisierten, so der Sender, die Vorgehensweise beim Verkauf: Ein Zusammenschluss mit anderen Krankenhäusern am Untermain sei nicht engagiert genug betrieben worden, so der Vorwurf. Landrat Schwing widersprach dem energisch.

Die „Freunde des Krankenhauses" sind mittlerweile untätig und sang- und klanglos eingegangen. Der geleaste Computertomograph kann sicher praktischerweise von der (für 13 Mio. noch zu bauenden) Teleportalklinik weitergenutzt werden.

Januar 2006

Teleportalklinik, MVZ und Ärztenetz

Per E-Mail 20.1.06

Auf einer Versammlung, zu der alle Ärzte im Landkreis eingelanden worden waren und auch viele gekommen waren, informierte das Rhön-Klinikum ganz klar, dass in Miltenberg ein neues Krankenhaus als Teleportalklinik mit angeschlossenem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) gebaut werden soll. Es ist geplant, die Arztsitze möglichst aufzukaufen. Es sind aber auch andere Möglichkeiten denkbar. Mittlerweile ist bekannt, dass zwei ortsansässige Orthophäden als Belegärzte ins MVZ gehen wollen, sowie der bisher am Krankenhaus tätige Chirurg.

Das Gelände ist mittlerweile gekauft und die Baupläne sind vorgelegt. (Bote-vom-Untermain)

In den beiden Häusern werden wohl keine neuen Zivildienstleistenden mehr eingestellt.

Fünf Mitglieder des ehemaligen Krankenhausverwaltungsrats – Landrat, Bürgermeister, Landtagsabgeordenter (CSU), eine Frau von der SPD und eine von den Freien Wählern aus dem Kreistag –sind jetzt der Beirat des Rhön-Klinikums. (Bote-vom-Untermain,Pressemeldung Landratsamt 20.12.05).

Beim MVZ handelt es sich um eine erst durch die Rot-Grüne Regierung geschaffene Möglichkeit, dass auch Nichtärzte Arztpraxen mit angestellten Ärzten betreiben dürfen, was vorher nicht möglich war. Dies gibt Kapitalgesellschaften die Möglichkeit für renditebringende Investitionen. MVZ dürfen nur fachübergreifend sein.

Es wurde ein Ärztenetz gegründet, um dem Argument der besseren, weil engeren Kooperation innerhalb eines MVZ zu begegnen (Bote-vom-Untermain) und um evtl. den Verkauf eines Arztsitzes an das MVZ zu verhindern.

Die Idee hinter dem MVZ seitens des Rhön-Klinikums ist es, die gesamte Wertschöpfungskette vom Facharzt über Teleportalklinik zum Großklinikum bis jetzt auch hin zur Universitätsklinik auszunutzen. Auf Allgemeinärzte soll für erste noch verzichtet werden.

Auswirkungen auf die Versorgung

Per E-Mail 20.1.06

Das Rote Kreuz ist jetzt ständig mit seinen Fahrzeugen und mit dem Hubschrauber unterwegs, um Patienten nach Bad Neustadt ins Haupthaus zu bringen.

Da die Ambulanz in Miltenberg nachts geschlossen ist, muss dann für jede Kleinigkeit von Miltenberg nach Erlenbach gefahren werden.

Auch für Entbindungen wird vermehrt für diese lange Strecke der Notdienst gerufen.

Das bedeutet für die Rettungskräfte Dauerstress, für die nächste Rettungswache in Aschaffenburg häufige Hintergrundbereitschaft für Miltenberg und für die Krankenkassen zusätzliche Kosten. (Gewinne privatisieren – Kosten sozialisieren.)

Es soll sogar noch eine zusätzliche Rettungswache im südlichen Landkreis gebaut werden. Sehr viele Leute wollen nämlich aufgrund der geringeren Entfernung in den angrenzenden Landkreis ins Krankenhaus. (Bote-vom-Untermain)

Oktober 2006

20 Prozent der Beschäftigten gekündigt

Rhön-Klinikum baut ein Fünftel der Stellen in zwei Kliniken ab: Gut eineinhalb Jahre nach der Übernahme der Krankenhäuser im unterfränkischen Miltenberg und Erlenbach hat die Rhön-Klinikum AG dort jede fünfte Stelle abgebaut.

Das meldet das News-Portal Finanznachrichten.de am 04. Oktober 2006. Und weiter:

38 Mitarbeitern der Kliniken in Erlenbach und Miltenberg sei auf Grund von Sparmaßnahmen gekündigt worden, sagte Vorstandsmitglied Andrea Aulkemeyer am Mittwoch in Bad Neustadt a.d. Saale. Sie bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Main-Echo" (Aschaffenburg) vom selben Tag. Insgesamt seien 95 von rund 520 Stellen gestrichen worden, weil die Häuser nicht ausgelastet seien. Der Abbau erfolgte den Angaben zufolge auch über Auflösungsverträge und Teilzeitvereinbarungen. Die Kosten für den mit dem Betriebsrat abgestimmten Sozialplan bezifferte das Rhön-Klinikum auf rund zwei Millionen Euro. Das Unternehmen hatte die beiden Krankenhäuser im April 2005 übernommen. Der Konzern betreibt derzeit rund 45 Kliniken mit knapp 15.000 Betten und beschäftigt mehr als 30.000 Mitarbeiter.

Siehe auch

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