Kreiskrankenhaus Lindau

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Das Krankenhaus in Lindau/Westallgäu wurde zum 1. Oktober 2004 an Procuramed übergeben. Nach einem Beschluss des Landrats wurde der Personalrat in die Übergabegespräche einbezogen.

Im Jahr zuvor hatte der Landrat eine Förderzusage an die örtliche Sozialstation zurückgenommen und damit den Aufbau eines Pflegezentrums „Haus am Zechwald“ verhindert. Stattdessen sollten Im Lindauer Kreiskrankenhaus Kurzzeit- und Tagespflegeplätze eingerichtet werden.

Im Mai 2004 startete eine Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren für den Erhalt des Lindauer Krankenhauses. Das Bürgerbegehren scheiterte an zu geringer Beteiligung. Aus Kreisen der Bürgerinitiative wurde gefordert, einem Rotkreuz-Krankenhaus im Landkreis Gelder zu verweigern.

Inhaltsverzeichnis

Juni 2004

Übergabekonditionen

Die Zeitung „Der Westallgäuer“ erläutert detailliert die Übergabekonditionen:

Das Gebäude bleibt im Eigentum des Landkreises. Procuramed wäre mit dem Krankenhaus lediglich Pächter für 25 Jahre. ... Dafür muss Procuramed alle Sanierungs-, Instandhaltungs und Unterhaltskosten bezahlen. Schulden übernimmt Procuramed. Für das Inventar müsste das Unternehmen einen Euro bezahlen - und zusätzlich alle Schulden übernehmen, die bis Ende 2003 aufgelaufen sind. Das Defizit aus dem laufenden Jahr trägt der Landkreis. Procuramed erhält das Krankenhaus als Klinik der Grundversorgung und darf keine Privatklinik für betuchte Patienten daraus machen. Außerdem verpflichtet sich Procuramed, in Lindau zu investieren ... Vertraglich gesichert ist der Bestand des Krankenhauses für mindestens vier Jahre, so lange muss Procuramed "auch im Fall der Krise oder drohenden Insolvenz" zahlen. Sollte Procuramed später die Klinik doch schließen wollen, hätte der Landkreis das Recht, das Inventar zum Verkehrswert zu kaufen. Der Landrat ist Mitglied des Aufsichtsrates. Dort hat er ein Vetorecht bei allen Entscheidungen, die eine Schließung von Abteilungen oder Ähnliches betreffen. Provision für die Mitarbeiter. Zwei Jahre lang verzichtet Procuramed auf betriebsbedingte Kündigungen. Die geltenden Tarife sollen durch einen Haustarifvertrag abgelöst werden. Neue Mitarbeiter bekommen kein Weihnachtsgeld mehr. Dafür werden in guten Jahren 30 Prozent eines Gewinnes unter den Mitarbeitern aufgeteilt, sodass sie es auf bis zu 14 Monatsgehälter bringen können. Der Westallgäuer 19.6.04

Professor Hartwig Lorenz-Meyer von der Bürgerinitiative warnte vor der Gefahr, dass der private Krankenhausbetreiber Procuramed nach Ablauf der vierjährigen Bestandsgarantie Insolvenz anmeldet. Dann könne die Klinik nicht mehr gerettet werden.

Nach Berechnungen der Bunten Liste fördert der Landkreis Procuramed mit knapp 1 Mio. € jährlich, weil der Pachtpreis weit unter dem am Markt Üblichen liegt. (Lindauer Hoyboote - Mitteilungsblatt der Bunten Liste April 2004)

November 2004

Personal

Laut Schwäbische Zeitung vom 10.11.04, die den neuen Klinik-Chef, Volker Rehbein, zitiert, nahm das Personal den Wechsel positiv auf. In einem Mitarbeiterwettbewerb durften die MitarbeiterInnen den Namen des Krankenhauses selbst bestimmen. Es heißt jetzt „Krankenhaus Lindau im Bodensee“.
Bis zum Jahreswechsel will Rehbein mit Chefärzten und Stationsleitern, aber auch mit den ganz normalen Ärzten und Schwestern darüber reden, was man verbessern kann und soll.

Am 25.2.05 berichtet die Schwäbische Zeitung: Der Chefwechsel hatte auch gleich erste Konsequenzen: Für das Personal gilt zwar ein Überleitungstarifvertrag. Der bedeutet aber nichts anderes als das Einfrieren der Löhne und Gehälter. Neueinsteiger müssen in Lindau mit dem neuen Haustarif vorlieb nehmen. Und der hat mit dem in öffentlichen Häusern sonst üblichen BAT nicht mehr viel gemeinsam.

Niedergelassene ÄrztInnen

Die Krankenhausleitung strebt eine Kooperation mit den niedergelassenen ÄrztInnen an:

Rehbein hat bereits erste Gespräche mit Ärzten geführt, viele weitere sollen folgen. Dabei will er ihnen die Sorge nehmen, das Krankenhaus könnte den Ärzten Konkurrenz machen. "Wir wollen keine Kassenzulassungen kaufen." Rehbein strebt vielmehr eine engere Zusammenarbeit mit den Lindauer Ärzten an. Dabei sei es nicht ausgeschlossen, gemeinsam ein so genanntes Versorgungszentrum zu bilden. Dies gelte vor allem, wenn ein Pharmariese auf den ambulanten Markt in Lindau drängen sollte. (Schwäbische Zeitung vom 10.11.04)

August 2005

Kündigung und neuer Geschäftsführer

Die Schwäbische Zeitung Online vom 19.8.05 berichtet:

Nachdem Betriebswirt Hans-Peter Maier von Procuramed sich die Geschäftsführung des Lindauer Krankenhauses zunächst mit dem Anästhesisten Volker Rehbein geteilt hatte, führt Maier das Haus seit Rehbeins Kündigung im Mai allein. Dass Maier zudem als Geschäftsführer der Procuramed GmbH sowie in weiteren Kliniken beschäftigt ist, hat im Krankenhaus durchaus für Unruhe gesorgt. ... Maier erklärte auf Anfrage der LZ, er bleibe aber für Lindau verantwortlich. "Ich bleibe Geschäftsführer und habe die Gesamtverantwortung nach wie vor." Richtig sei aber, dass Procuramed zusätzlich für sein eigenes Krankenhaus in Lindau einen neuen Geschäftsführer einstellen werde.

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge