Klinikum Remscheid
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Das Klinikum Remscheid gehört zu Sana. 25% des Klinikums hält die Stadt Remscheid.
Inhaltsverzeichnis |
Ausgliederungen von Dienstleistungen
Die Geschäftsführung des Klinikums Remscheid hat beschlossen, die Reinigung und den Betrieb der Krankenhausküche ab dem 01.07.2004 auszugliedern und von einer Tochterfirma bzw. einer Fremdfirma durchführen zu lassen. Die Betroffenen erhalten ein Arbeitsplatzangebot der übernehmenden Firmen. (Sana Website)
Laut Deutschlandradio vom 4.6.07 baute der Sana-Konzern nach der Übernahme des Krankenhauses in Remscheid 17 Arbeitsplätze ab und gliederte mehr als 50 in eine Tochtergesellschaft aus.
Juli 2005
Missstände im Klinikum und in den Altenheimen
Per E-Mail 28.7.05
Beim Sana Klinikum Remscheid herrschen chaotische Zustände durch die Zusammenlegung der bisherigen Betriebsstätten Lennep und Burger Straße. In einer noch nicht rundum fertig gestellten Einrichtung an der Burger Straße funktioniert z.T. die Technik und Organisation des Hauses noch nicht.
Dies führt zu Missständen, die sowohl auf dem Rücken der PatientInnen als auch des Personals ausgetragen werden. Die Personalführung ist ungenügend, und das daraus resultierende Klima im Haus ist katastrophal. Es gibt erhebliche Patientenbeschwerden und eine Abwanderung von Patienten in Nachbarhäuser. Die Kommunikation mit Betriebsrat und Beschäftigten ist unzulänglich; Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats müssen häufig gerichtlich durchgesetzt werden.
Die vor einem Jahr nicht zu verhindernde Ausgründung des Reinigungsbereiches in die Sana-eigene DGS hat zur Absenkung um ca. 1/3 der Einkommen für die Beschäftigten geführt. Der dortige Betriebsrat arbeitet nicht mit der im Betrieb vertretene Gewerkschaft ver.di zusammen und musste jüngst durch ver.di aufgefordert werden, eine seit einem Jahr überfällige Betriebsratssitzung durchzuführen. Nach anfänglichem Widerstand ist diese jetzt angesetzt.
Der Küchenbetrieb wurde ebenfalls ausgegliedert und an die Fa. GKS (Gegenbauer Krankenhaus Service GmbH) gem. §613 BGB übertragen. Diese hat zwischenzeitlich den Vertrag mit Sana gekündigt, und Sana hat den Küchenbetrieb an (PRO)curatio Gebäudereinigungs- und Service-Gesellschaft übertragen. Auch hier führte die Ausgliederung nach der Übertragung an (PRO)CURATIO zu erheblichen Einkommensverlusten.
Als nächstes ist die Ausgliederung der Physiotherapie an der Reihe. Durch die Geschäftsführung wurde schon vor über einem Jahr angekündigt, dass man sich weitere Bereiche vorstellen könne. Leider glauben viele KollegInnen noch nicht daran.
"SANA will zukünftig richtig GELD verdienen", siehe Süddeutsche Zeitung vom 11.10.04. Das ganze geht zu Lasten des Personals und der Patienten.
Die Anfragen von KollegInnen bezüglich des Abschlusses von Aufhebungsverträgen und/oder Kündigungen häufen sich von denen, die flexibel sind. Andere machen die Faust in der Tasche und sind entgegen Ihres hohen Berufsethos oft nicht mehr motiviert.
Ebenfalls ist Sana über einen Managementvertrag bei den Altenheimen Remscheid eingestiegen. Nach anfänglicher guter Entwicklung durch einen hervorragenden und geschätzten Manager, mit einem guten Konzept und Führungsqualität, verließ dieser leider (aus gesundheitlichen Gründen????) nach kurzer Zeit wieder die Einrichtung. Danach wurde die Qualitätsbeauftragte (voll auf Linie mit Sana) mit der Führung beauftragt. Seitdem häufen sich die Beschwerden von Bewohnern, dem Heimbeirat und der Beschäftigten über deren Führungsstil. Auch hier zählt nur noch die Betriebswirtschaft. Kranke KollegInnen werden unverzüglich (selbst mit einem Beinbruch) zur Betriebsärztin geschickt, die ihrerseits auch schon Zweifel an dieser Praxis geäußert hat.
Dienstpläne werden ständig und kurzfristig umgeschrieben. Leihpersonal wird in hohem Maße eingestellt um Lücken zu füllen. Im Befehlston (so ein Mitglied des Heimbeirates) werden Anweisungen gegeben. Auch hier erleben wir ein hohes Maß an Demotivation.
Der Managementvertrag kostet die Stadt im Jahr für den Manager und die 30 Stunden Qualitätsbeauftragte ca. 150.000 € + 18% jeder vorgeschlagene Sparmaßnahme, unabhängig davon, ob sie dann auch durchgeführt wird. Schon in der Vergangenheit ist Sana für ein Krankenhaus in Wuppertal mit einem Managementvertrag gescheitert. Ver.di und die Personalvertretung, wie auch der Heimbeirat fordern daher den Rat auf, diesen Vertrag zu beenden.
Willi Oberländer
Gewerkschaftssekretär Fachbereich 3 Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen
ver.di Bezirk Rhein-Wupper
Ergänzung 1.8.05
Management & Krankenhaus vom 06/2005 berichtete:
Sana eröffnet Europas modernstes Krankenhaus
Vernetzte Kommunikation spart Kosten und erhöht den Komfort Nach nur vier Jahren Planungs- und Realisierungszeit wurde am 19. Mai in Anwesenheit von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt der Neubau des Sana-Klinikums Remscheid eröffnet. ... Das neue Sana Klinikum Remscheid hat Modellcharakter für deutsche Krankenhäuser Optimierte Schnittstellen sorgen für neuartige Vernetzung der Fachabteilungen / Zentrale ambulante Aufnahmestation mit acht Funktionsbereichen / Floating-Bereich ermöglicht flexible Veränderung der Stationsgröße und Bettenzahl / Tagesklinik mit teilstationärer Behandlung und Pflege für alle Abteilungen / 1400 Mitarbeiter und 684 Betten sichern umfassende medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region. ...
Ergänzung 19.3.06
Aus einem Artikel der Jungen Welt vom 15.3.06
Systemwechsel in der Krankenhausversorgung
Klinikkonzerne profitieren von politischen Weichenstellungen und Privatisierungswelle bei öffentlichen Krankenhäusern
Hermann Werle
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ließ es sich im Mai letzten Jahres nicht nehmen, zur Einweihung von »Europas modernstem Krankenhaus« nach Remscheid zu reisen und »den Remscheider Weg der Privatisierung« in ihrer Festrede zu loben. Doch die Feierstimmung hielt nicht lange an, da sich das »Klinikum der kurzen Wege« innerhalb kurzer Zeit zu einem Verweilort des kürzesten Weges auf den Friedhof zu entwickeln schien. »›Chaotische Verhältnisse‹ im Sana-Klinikum« titelte der Remscheider Generalanzeiger nur zwei Monate nach der Einweihung. Teile der Remscheider Ärzteschaft würden das Sana-Klinikum bereits boykottieren, so der Generalanzeiger, »aus Sorge um das Wohl ihrer Patienten.« Es sei zu »offensichtlichen Fehldiagnosen bei Herzinfarkt, Brustkrebs oder Thrombose, Vernachlässigung bettlägeriger Patienten, fataler Fehler bei der Versorgung gekommen«, zitierte das Blatt den stellvertretenden Sprecher der Remscheider Ärzteschaft. Doch es kam noch dicker: »Kripo bei Sana: Noch ein Fall«, so der Titel vom 20. September. »Nur vier Tage nach dem Tod eines 38jährigen bei einer Routineoperation vermeldete das Sana-Klinikum gestern einen weiteren ungeklärten Todesfall.« Als sich das Image des Konzerns endgültig der Talsohle näherte, ging Sana in die Offensive und erhielt für ihre Krisen-PR politischen Rückenwind von CDU und SPD. »Nach den Erläuterungen von Sana-Regionaldirektor Jacob A. Bijkerk und dem Remscheider Geschäftsführer Richard Kreutzer in nicht-öffentlicher Sitzung herrschte im Rat allenthalben Zufriedenheit«, kommentierte der Generalanzeiger am 21. September und zitierte den CDU-Fraktionschef Karl Heinz Humpert mit den Worten: »Ich hatte den Eindruck, daß Sana die Probleme sehr offen und konsequent angeht.« Der SPD-Kollege Hans Peter Meinecke schloß sich der Imagepolitur für Sana mit den lapidaren Worten an: »Daß im Krankenhaus jemand stirbt, kommt immer mal wieder vor.«
August 2005
Das Sana-Paket
Nachdem es in der Öffentlichkeit viel Wirbel um die Zustände im Klinikum Remscheid gegeben hat, wurde ein „Paket“ entwickelt, das laut Remscheider Generalanzeiger vom 2.8.05 so beschaffen ist:
Patienten-Beschwerden: Es soll regelmäßige, notfalls auch eilig einberufene Fall-Sprechstunden geben, in denen Klinik- und Hausärzte Problemfälle besprechen. Die Patienten-Hotline unter 13 33 33 besteht weiterhin. Zum 15. August wird ein Beschwerdemanagement für Patienten eingeführt. Personalsituation: Es werden zum 1. September zehn neue Pflegekräfte eingestellt – vier für Ambulanz und Aufnahme, zwei im Patientenbegleitdienst, drei in Herz-/Kreislaufzentrum und Bauchzentrum, zudem ein so genannter Bettenbelegungs-Manager. So sollen sich Wartezeiten und interne Wege verkürzen. Versorgung: In der Ambulanz, in der täglich bis zu 260 Patienten versorgt werden, soll es zu Stoßzeiten zwei neue Aufnahmeplätze geben. Die Aufnahme startet ab sofort um 6.30 statt um 7 Uhr. Ein separater "Notfalleingang" wird bis Mitte August eingerichtet. Die diensthabenden Ärzte sollen ständig per Handy erreichbar sein. Zufriedenheit der Mitarbeiter: Der Betriebsrat bleibt in Beratungen einbezogen. Er sammelt – auch anonym – Beschwerden von Mitarbeitern.
Artikel im Remscheider Generalanzeiger
- 16.08.2005 Sana-Klinikum: Brief in der Mitarbeiterzeitung
- 04.08.2005 Sana: Politik in Sorge
- 04.08.2005 Streit um Heime kocht weiter hoch
- 03.08.2005 Zu spät reagiert? Humpert kritisiert OB
- 02.08.2005 Sana entschuldigt sich und stockt auf
- 02.08.2005 RGA-Gespräch mit Sana-Deutschland-Chef Dr. Schwarz
- 01.08.2005 Fall Sana: "Alle sind froh, dass es jetzt raus ist"
- 01.08.2005 Neue Sana-Unruhe: Querschläger eines Chefarztes
- 29.07.2005 CHRONOLOGIE: Aufklärung bis Montag
- 9.07.2005 Neue Unruhe: Querschläger eines Chefarztes
- 29.07.2005 Sana-Remscheid: Licht am Tunnelende
- 29.07.2005 Sana: Grüne und WiR fordern schnelle Lösungen
- 29.07.2005 "Die Sana-Mitarbeiter tun mir wirklich leid"
- 29.07.2005 Sana-Klinikum: Hotline geschaltet
- 29.07.2005 Sind die Sitten zu rau oder die Pfleger zu "faul"?
- 29.07.2005 Sana: Licht am Ende des Tunnels
- 28.07.2005 Krisensitzung: Alarmstufe ,1' bei Sana
- 28.07.2005 "Klinik darf nicht kaputtgeredet werden"
- 28.07.2005 Mobbing: "Schlimmer geht es nicht mehr"
- 27.07.2005 Krisensitzung: Höchste Alarmstufe bei Sana
- 27.07.2005 Sana: "Die Politik kann kein Personal einstellen"
- 26.07.2005 Arzt zu Sana-Abteilung: Frauen gut aufgehoben
- 26.07.2005 Patienten pilgern in Scharen nach Rade
- 26.07.2005 Doppelt so viele Patienten aus Remscheid im Johanniter-Krankenhaus

