Hedge Fonds

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Hedge Fonds sind besonders risikofreudige Investmentfonds. Hohe Mindesteinlagen beschränken den Kreis der InvestorInnen gewöhnlich auf sehr reiche Privatpersonen und auf Unternehmen. Hedge Fonds betreiben Termingeschäfte und Derivatenhandel, versuchen durch bessere Informiertheit Kursschwankungen vorherzusehen oder investieren in neue Unternehmen. Der erste Hedge Fond entstand 1949 in den USA. (Hafner, S. 174)

Rund zwei Drittel aller Hedge Fonds haben ihren offiziellen Sitz in Steuerparadiesen (offshore Inseln). Die VerwalterInnen der Konten sind größtenteils britische Gesellschaften (Hafner, S. 186)

Hedge Fonds bewegen sich ... weitgehend im regulatorischen und aufsichtsrechtlichen ‚Niemandsland’ (Deutsche Bundesbank 1999: 38 - Monatsbericht März, zit. n. Huffschmid, S. 92)

Um in der Bundesrepublik geltenden Beschränkungen für den Vertrieb von Hedge Fonds zu umgehen, errichteten

deutsche Finanzgesellschaften und Banken ... vorwiegend auf Offshore-Destinationen wie den Cayman-Inseln durch Tochtergesellschaften Hedge Funds und verkaufen dann in Deutschland Zertifikate, deren Wert sich entsprechend dem Offshore-Hedge-Fund verändert. Diese Zertifikate entsprechen ökonomisch einer Direktinvestition in einem Hedge Fund, nicht aber juristisch. Gleichzeitig können diese Zertifikate so strukturiert werden, dass sie steuerbefreit sind. (Hafner, S. 172)

Quellen

  • Jörg Huffschmid, Politische Ökonomie der Finanzmärkte, VSA, Hamburg 1999
  • Wolfgang Hafner, Im Schatten der Derivate, Eichborn, Frankfurt/Main 2002

Siehe auch


Inhaltsverzeichnis

Termingeschäfte und Derivatenhandel

Termingeschäfte dienten ursprünglich dazu, den Warenhandel vor unvorhergesehenen Schwankungen in der Zukunft abzusichern.

So können sich beispielsweise Unternehmen, die Güter aus dem Ausland kaufen (mporteure) oder in das Ausland verkaufen (Exporteure), vor Wechselkursschwankungen zu schützen, indem sie mit ihrer Bank Termingeschäfte abschließen.

Für Importeure z.B. bedeutet ein steigender Wechselkurs der nationalen Währung, dass sie für eine ausländische Ware mehr Geld in nationaler Währung ausgeben müssen. Die importierten Produkte bzw. die Waren, die mit den importierten Produkten hergestellt werden, würden dann auf dem einheimischen Markt teurer und wohlmöglich schwerer zu verkaufen. Um sich vor diesem Risiko zu schützen, machen die Importeure mit ihrer Bank ab, dass sie eine Währung zu einem bestimmten Kurs zu einem bestimmten Termin kaufen werden. Das Wechselkursrisiko geht auf die Bank über, wofür die Bank Gebühren verlangt. Steigt bis zum abgemachten Termin der Wechselkurs, so würde die Bank einen relativen Verlust machen. Dagegen sichert sich die Bank gewöhnlich durch eigene Termingeschäfte mit ausländischen Banken ab. Da für Importeure in anderen Ländern die Risiken genau umgekehrt liegen, sind diese Termingeschäfte am Ende ein Nullsummenspiel: was die eine Bank im einen Land verliert, gewinnt die andere im anderen Land.

Warentermingeschäfte

Ähnlich wie Importeure und Exporteure sich durch Termingeschäfte mit Währungen vor Währungsschwankungen schützen, können sich auch ProduzentInnen von Waren mit Termingeschäften vor Preisschwankungen schützen.

Bei Warentermingeschäften schließen KäuferInnen und VerkäuferInnen einen Handelsvertrag für die Zukunft ab. Vertragsabschluss und Vertragsvollzug (Lieferung und Zahlung) liegen zeitlich auseinander. Die KäuferInnen verpflichten sich, an einem bestimmten Termin eine Ware zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Die VerkäuferInnen verpflichten sich, am festgesetzten Termin die Ware zum festgesetzten Preis zu verkaufen. Je nach Preisentwicklung kann ein Warenterminvertrag entweder für die KäuferInnen oder für die VerkäuferInnen bedeuten, dass ihnen ein Gewinn entgeht. Dafür haben beide die Sicherheit, dass ihnen kein unkalkulierbarer Verlust entsteht. Dieses Vorgehen nennt man „Hedging“‘‘‘, d.h. Risikovernichtung oder Absicherung einer Einkommenserwartung.

Derivate

Eine Fortentwicklung der Warentermingeschäfte besteht darin, dass die ProduzentInnen von Waren und die KäuferInnen dieser Waren nicht mehr in unmittelbaren Kontakt zueinander treten, sondern SpezialistInnen die Sache übernehmen. Diese SpezialistInnen (TerminkäuferInnen) schließen mit ProduzentInnen Verträge ab, in denen sie zusichern, die Waren an einem bestimmten Termin zu einem festgesetzten Preis zu kaufen. Sie setzen darauf, dass die Preise bis zum festgesetzten Termin steigen. Dann können sie die Ware zu niedrigeren Preisen kaufen, als es ohne Termingeschäft möglich gewesen wäre. Wenn sie die Ware sofort weiter verkaufen, machen sie einen Gewinn. TerminverkäuferInnen schließen mit KäuferInnen Verträge ab, in denen sie zusichern, die Waren an einem bestimmten Termin zu einem festgesetzten Preis zu liefern. Sie setzen darauf, dass die Preise bis zum festgesetzten Termin sinken. Dann können sie nämlich die gekaufte Ware zu einem höheren Preis verkaufen, als es ohne Termingeschäft möglich gewesen wäre. Ebenso wie Termingeschäfte mit Währungen sind Warentermingeschäfte Nullsummenspiele: Was die KäuferInnen verlieren, gewinnen die VerkäuferInnen und umgekehrt. Für WarenproduzentInnen und -käuferInnen bleibt der Vorteil erhalten, Risiken durch einen Verzicht auf mögliche Gewinne loszuwerden. Zusätzlich haben sie den Vorteil, nicht selbst nach KäuferInnen bzw. ProduzentInnen suchen zu müssen.

TerminkäuferInnen und -verkäuferInnen handeln nicht mehr mit den eigentlichen Waren, sondern mit Kauf- und Lieferungsversprechen, d.h. mit Kontrakten. Diese Versprechen heißen „Derivate“‘‘‘, weil ihr Wert von den eigentlichen Warenwerten (Basiswerte) abgeleitet ist (lateinisch: derivatum).

Neben Derivaten, die sich auf materielle Handelsprodukte beziehen, gibt es auch Derivate auf Finanzprodukte. Beim gegenwärtigen Derivatenhandel geht es zu 99% um Geschäfte mit Finanzprodukten. Zu diesen Finanzprodukten gehören neben Terminkontrakten über Währungen auch Terminkontrakte über Wertpapiere wie Aktien und Anleihen.

Optionen

Eine wichtige Form von Derivaten sind Optionen Bei Optionen verspricht man nicht, dass man etwas kauft oder liefert, sondern man holt ein Versprechen ein, dass man an einem bestimmten Termin oder während eines bestimmten Zeitraums etwas zu festgesetzten Preisen kaufen kann oder liefern darf, wenn man es wünscht. Es gibt Kaufoptionen (Calls) und Verkaufsoptionen (Puts). Dafür, dass sie das Versprechen erhalten, zahlen die KäuferInnen der Optionen den Ausgabestellen der Optionen (Stillhalter) eine Optionsprämie.

Dadurch, dass Optionen preiswerter sind als die Güter oder Finanzprodukte, auf die sie sich beziehen, lassen sich mit Optionen im Vergleich zum eingesetzten Geld sehr große Gewinne machen. Dazu ein Beispiel:

Arzt Arnold kauft eine Aktie der XXX AG zu 300 EUR. Nach fünf Monaten ist der Kurs der Aktie auf 315 EUR gestiegen. Arzt Arnold kann die Aktie mit 15 EUR Gewinn verkaufen. Um diese 15 EUR Gewinn zu machen, hat er 300 EUR eingesetzt. Der Gewinn beträgt damit 5% des eingesetzten Geldes, der mögliche Verlust maximal 300 EUR.

Krankenschwester Kinkel kauft eine Call-Option auf Aktie der XXX AG zu 10 EUR. Nach fünf Monaten kann sie eine Aktie, die 315 EUR wert ist, für nur 300 EUR kaufen. Beim sofortigen Weiterverkauf der Aktie macht sie 15 EUR Gewinn abzüglich der 10 EUR Optionsprämie, die sie für die Call-Option zahlen musste. Kinkel hat damit 5 EUR Gewinn gemacht, aber nur 10 EUR eingesetzt. Der Gewinn beträgt somit 50% des eingesetzten Geldes, der mögliche Verlust nur 10 EUR.

Um einen Gewinn von 15 EUR zu machen wie der Arzt, hätte Krankenschwester Kinkel nur 30 EUR „auf’s Spiel setzen“ müssen. Kinkels Risiko bezieht sich dafür aber auf das gesamte eingesetzte Geld: Kinkel verliert möglicherweise alles, während Arnold bei sinkendem Kurs die Aktie im Allgemeinen behalten und auf bessere Zeiten hoffen kann.

Die Möglichkeit, mit wenig Geldeinsatz große Gewinne zu machen, wird „Hebelwirkung“‘‘‘ genannt. Die Hebelwirkung (aber damit auch das Risiko) lässt sich verstärken, wenn man für den Kauf von Optionen Kredite aufnimmt.

Der Handel mit Derivaten erlangte in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts praktische Bedeutung. Heute werden rund 1,5 Billionen Dollar pro Tag mit Derivaten umgesetzt.

Mit der Hebelwirkung sind große Risiken für die Wirtschaft verbunden.

Beispielsweise hatte der 1994 gegründete Hedge Fonds LTCM – Long Term Capital Management mit einem Eigenkapital von 5 Mrd. US-$ Kredite in Höhe von 125 Mrd. US-$ erhalten – u.a. von der Deutschen Bank und der Credit Suisse. Zum Management gehörten zwei Ökonomie-Professoren mit Nobelpreis, Rober Merton, Myron Scholes, so dass die Finanzanlage auf die Banken wohl einen seriösen Eindruck machte. Die spekulativen Geschäfte dieses Hedge Fonds hatten einen Umfang von 1.250 Mrd. $ und brachten bis September 1998 prächtige Gewinne. Dann kam es aber zu Verlusten. Um eine allgemeine Finanzkrise zu vermeiden, wurden dem Fond auf Betreiben der Federal Reserve Bank, einer Privatbank, die in den USA Geld drucken und verleihen darf, durch Banken 3,7 Mrd. US-$ gewährt. Die Banken erhielten 90% vom LTCM. (Huffschmid, S. 93f)

Quellen

  • Jörg Huffschmid, Politische Ökonomie der Finanzmärkte, VSA, Hamburg 1999
  • Wolfgang Hafner, Im Schatten der Derivate, Eichborn, Frankfurt/Main 2002
  • Wolfgang Gerke, Kathrin Kölbl, Alles über Bankgeschäfte, DTV, München 2004

Deutsche Börse

Im Verlauf der letzten Jahre haben Hedge Fonds beträchtlichen Einfluss auf die Finanzsysteme gewonnen. So schreibt die Frankfurter Rundschau anlässlich der Hauptversammlung der Deutschen Börse 2005:

Christopher Hohn, „der Vertreter des britischen Hedgefonds TCI ... und die von ihm repräsentierten Kapitalgeber [haben] in den vergangenen Wochen die Revolte gegen die Führungsgremien initiiert und in wesentlichen Punkten ihren Willen durchsetzen können. Die Pläne des Managements, Londons Börse zu übernehmen, wurden gestoppt. Der bei den Anteilseignern in Ungnade gefallene Ex-Vorstandschef Werner Seifert musste die Koffer packen. Und schließlich wurde das Sparschwein der Deutschen Börse geschlachtet; die Barreserven werden nun - vor allem in Form von Aktienrückkäufen - aufgelöst.
Im Gegenzug hat TCI ... kundgetan, nicht länger die Abwahl [des Aufsichtsratsvorsitzenden] Breuers betreiben zu wollen. ... Breuer ... dürfte deshalb eine Abwahlt erspart bleiben - allerdings nur, weil er ohnehin seinen Rücktritt ... angekündigt hat. ...
Mathias Hlubek ... [kann] eigentlich keine belastbaren Aussagen über die Zukunft des Unternehmens treffen ... Solange TCI und Atticus, ein ebenfalls an der Börse beteiligter Hedgefonds, nicht über ihre unternehmerischen Vorstellungen aufklären, stehen seine Antworten unter dem Vorbehalt der Duldung durch die Großaktionäre, die ihre Macht eindrucksvoll demonstriert haben.“
(Detlef Fechtner: Ruhe nach dem Sturm, Frankfurter Rundschau 25./26. Mai 2005 Nr. 119, S. 12)

An der Börse in London haben Hedge Fonds naheliegenderweise Interesse:

Je nach Situation setzen ... die Hedge Funds an der Londoner Börse bis zur Hälfte aller Aktien um. (Wolfgang Hafner, Im Schatten der Derivate, Eichborn, Frankfurt/Main 2002, S. 171)

Quadriga Capital

In einem Artikel von Richard Haimann (Ärztezeitung 17.2.05) heißt es unter Berufung auf Ver.di, Quadriga sei der eigentliche Kapitalgeber von Ameos.
In dem Artikel heißt es weiter:

Nach ver.di vorliegenden Dokumenten handele es sich bei Quadriga Capital Ltd. um eine Beteiligungsgesellschaft, die von 40 internationalen Investoren finanziert wird. „Dazu zählen auch die Pensionskassen von British Airways und eines deutschen Ärzteversorgungswerks“, sagt Gewerkschaftssekretär Schmidt [Uwe Schmidt, ver.di Bremen]. „Daß ein Versorgungswerk der Mediziner ausgerechnet ein Unternehmen finanziert, das die Gehälter der bei ihm Versicherten massiv drücken will, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.“

Dies wird in der Zeitschrift „Outdoor Business“ bestätigt. Dort heißt es, Quadriga Capital halte u.a. Anteile an Coventya International GmbH, Richard Fritz GmbH, Uster Technologies AG, AMEOS-Gruppe, Francotyp Postalia und Palmers Textil AG sowie Jack Wolfskin. (Outdoor Business 13.4.05)

Korrektur per E-Mail 31.10.05: Hier werden 2 verschiedene Quadrigas vertauscht. Christian Baha gehört z.B. zur Quadriga Capital Management, die mit der Bafin Probleme hatte. Diese Quadriga handelt mit an den Börsen notierten Anlagen, während die QCE in Firmen (auch nicht börsennotiert) investiert (auch Heuschrecken genannt). Private Anleger können in die Fonds der QCM investieren, was beim 2. nicht möglich ist...ein wenig Recherche bei den angegebenen Links kann hilfreich sein...

D.h.: die Quadriga Capital Ltd. hängt nicht mit der Quadriga Capital Management (Quadriga Beteiligungs- und Vermögens AG, Quadriga AG, Superfund) zusammen. Diese Quadriga ist ein Futures/Hedge Fond Anbieter, der im wesentlichen nicht der Finanzmarktaufsicht unterliegt, da ein Großteil der Quadriga-Fonds ihren Sitz in überseeischen Steuerparadiesen haben, z.B. auf der Karibik-Insel Grenada. Geschäftsführer ist Christian Baha, ein ehemaliger Wiener Polizist.

Die Quadriga Capital Ltd. hängt mit der Quadriga Capital Eigenkapital Beratung GmbH zusammen (geht aus AHT-Info in Kombination mit RIAG 2002 hervor).

Ergänzung 19.3.06: 2006 trat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Festredner zum 10-jährigen Jubiläum des Superfunds auf (Süddeutsche Zeitung 10.3.06, WSWS 11.3.06)

Austria Haustechnik AG

Ende 2002 kaufte die Quadriga Capital Ltd. (Quadriga Capital Eigenkapital Beratung GmbH) mehr als 97 % der stimmberechtigten Aktien die Austria Haustechnik AG (AHG), einen Kühlgerätehersteller mit rund 100 Millionen € Umsatz im Jahr. Diese Aktien werden über die AHT Management GmbH (vormals Freezing & Chilling Beteiligungs GmbH) gehalten. (pressetext austria 1.3.02, RIAG 2002)

Durch den Kauf der AHG kam Andreas Fendel, Aufsichtratsmitglied von Ameos, in den Aufsichtsrat der AHG. Fendel ist geschäftsführender Gesellschafter der Quadriga Capital Eigenkapital Beratung GmbH (BVK, Stand: 11/05).

Die AHT wurde wegen der neuen Aktienverteilung in eine GmbH & Co KG umgewandelt und in AHT Cooling Systems GmbH & Co KG umbenannt. (N24 18.9.05)

Die Hauptgeschäftszweige von AHG liegen bisher im Supermarktbereich.

Im Dezember 2004 wurde gemeldet, Quadriga Capital Ltd. habe die Mehrheitsbeteiligung an der AHT Management GmbH im Rahmen eines Secondary Management Buy-Outs an EQUITA, einen zur Harald Quandt Gruppe gehörenden Private Equity Fonds, verkauft. Die AHT Management GmbH wurde kurz zuvor mit der AHT Cooling Systems GmbH verschmolzen. (AHT-Info, Druecker & Co 23.12.04)

„Management Buyout“ bedeutet, dass die bisherigen ManagerInnen das Unternehmen kaufen, wobei im Hintergrund meist ein Private Equity Fond als Investor steht, der das nötige Geld zur Verfügung stellt. Ein „Secondary Management Buyout“ ist das „Management Buyout“ eines „Management Buyouts“, d.h. die ManagerInnen, die zuvor das Unternehmen gekauft haben, verkaufen es an die ManagerInnen eines anderen Unternehmens weiter.

Quellen

Siehe auch


Nachrichten

Kreditkrise 2007

Die Zeit 16.8.07:

... Die Krise an den Weltfinanzmärkten, die vor ein paar Monaten mit dem reihenweisen Ausfall von Hypothekenkrediten am amerikanischen Immobilienmarkt begann, fordert ein Opfer nach dem anderen. Erst waren es Hypothekenfinanzierer, die ihre Kredite an mittellose Amerikaner vergaben – das als Innovation gefeierte subprime - Geschäft. Dann kamen Spezialisten wie American Home Mortgage hinzu, die eigentlich für eine solidere Klientel bekannt waren. Die New Yorker Bank Bear Stearns meldete den Kollaps zweier hauseigener Hedgefonds, die mit amerikanischen Hypotheken spekuliert hatten, später meldeten selbst so ferne Investoren wie die deutsche IKB Deutsche Industriebank, dass sie in diesem Anlagesegment hohe Verluste einstecken mussten. Einzelfälle sind das schon längst nicht mehr. ... Die Fieberkurve an der Wall Street schlägt ... immer stärker aus. Ein solches Auf und Ab der Aktienkurse hat es seit mehr als vier Jahren nicht mehr gegeben. Im Februar brach der Dow Jones Index ... um mehr als 400 Punkte ein. Im Juli dann erreichte er sein Allzeithoch von 14000 Punkten. Am vergangenen Donnerstag beklagte man erneut ein Minus von 380 Zählern. ...

Neue Zürcher Zeitung 6.9.07:

... Almunia [, EU-Wirtschaftskommissar, erklärte], nach einer ersten Einschätzung werde sich die Kreditkrise in diesem Jahr auf Wachstum und Beschäftigung in Europa auswirken, doch würden diese Wirkungen «sehr begrenzt» sein. Etwas stärkere Folgen erwartet die Kommission für 2008. ...

World Socialist Web Site 22.8.07:

Der Zusammenbruch des amerikanischen Subprime-Hypothekenmarktes hat in Europa ein weiteres Opfer gefordert. Am Freitag wurde bekannt, dass die Sachsen LB, die sächsische Landesbank, in eine Klemme geraten war, aus der ihr nur durch Bereitstellung von 17,3 Mrd. Euro geholfen werden konnte. Die Rettungsaktion wurde von einem Pool der Sparkassen-Finanzgruppe organisiert, nachdem der Investment-Ableger der Sachsen LB, Ormond Quay, wegen seiner Beteiligung an amerikanischen Subprime-Hypotheken in eine Liquiditätskrise geraten war. ... Vor der Sachsen LB musste vor einigen Tagen schon die 84-jährige IKB Deutsche Industriebank gerettet werden, nachdem ihre Tochtergesellschaft Rhineland Funding nicht mehr in der Lage war, Geldmarktpapiere zu verkaufen, weil sie zu stark unter den Druck von auf US-Hypotheken gestützten Investitionen geraten war. ...

Edward Chancellor, Herausgeber des Finanzinformationsdienstes Braekingviews.com, ... [sagte:] "Ich glaube es ist in den letzten Wochen etwas Grundlegendes geschehen ... Das Kreditsystem verliert seine, sagen wir, Vertrauenswürdigkeit. Die Leute trauen den drei A-Ratings nicht mehr, die so manche komplexen Schuldsicherungen erhalten haben. Die Risikomodelle der Ratingagenturen, Hedge Fonds und Banken sind ebenso unter Verdacht geraten. Die Wirkungen von Subprime-Verlusten machen sich an ganz unerwarteter Stelle bemerkbar, selbst bei scheinbar unangreifbaren Geldmarktfonds. Hedge Fonds und andere hochriskante Investitionsinstrumente werden auf den Boden der Tatsachen zurück gezwungen. Nach Jahren des Exzesses beginnt Kredit knapp zu werden." ...

"Das Problem ... ist", schrieb [der bekannte Kolumnist der Financial Times, John Plender] ..., "dass es bei der Krise um mehr geht als um den Subprime-Hypothekenmarkt. Die innovativen Finanzinstrumente haben zu einer systematischen Verschlechterung der Kreditqualität geführt. Banken verkaufen inzwischen ihre Kredite routinemäßig, die dann mit allen möglichen komplexen Produkten zu Paketen zusammengeschnürt werden, um die Forderung von Investoren nach Ergebnissen zu befriedigen, während die Gewinnraten praktisch aller Investitionen auf ein sehr geringes Niveau gesunken sind."


World Socialist Web Site 14.8.07 (nach Steven Pearlstein in der Washington Post):

Nach dem schlichten Modell der Vergangenheit lieh sich eine Bank im Wesentlichen Geld von ihren Einzahlern aus und verlieh es an Haushalte oder Unternehmen weiter, die Darlehen brauchen. Für jeden verliehenen Dollar musste die Bank aus ihren eigenen Geldbeständen Reserven bilden, um etwaige Verluste durch Zahlungsausfälle bei einzelnen Darlehen auszugleichen. ... Jetzt leihen sich große Banken das meiste Geld, das sie verleihen, selbst aus, indem sie Schuldscheine an Finanzinvestoren verkaufen. Und die meisten ihrer Anleihen bleiben nicht in ihren Geschäftsbüchern stehen, sondern werden gleich wieder mit anderen Anleihen zusammengefasst und an Käufer wie etwa Hedgefonds weiter verkauft. ... Im Gegensatz zu Banken sind Hedgefonds nicht verpflichtet, für eine gewisse Eigenkapitalquote zu sorgen. Deshalb kaufen sie diese Instrumente (das heißt, sie vergeben Kredite) mit so viel Geld, wie sie von einem Kreditgeber nur irgend bekommen. Und da sie ihre Investitionen nicht offen legen müssen, weiß keine Kontrollinstanz, wie hoch die Schulden im System sind und wo sie sich konzentrieren. ... Diese Finanzierungsinstrumente haben zur ständigen Schuldenanhäufung verleitet. So ist das System für einen Zusammenbruch anfälliger geworden, falls Kredite plötzlich teurer werden oder nicht mehr verfügbar sind. Und genau das ist vergangene Woche passiert.


Siehe auch

Persönliche Werkzeuge