Diakonie
Aus PrivatisierungsWiki
Dies ist eine Wiki-Seite. Ein Wiki ist eine Art offenes Buch. Alle, die es möchten, können die Texte auf dieser Seite innerhalb von Minuten ergänzen, ändern und löschen. Siehe dazu Hilfe und Arbeitsweise.
Allgemeine Nachrichten
April 2008: Ver.di fordert 8% mehr Lohn
Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat vom Arbeitgeberverband "Verband kirchlicher und diakonischer Anstellungsträger Nordelbien" (VKDA-NEK) acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro mehr Lohn gefordert - für die Beschäftigten im Geltungsbereich des Kirchlichen Tarifvertrages Diakonie (KTD). ...
Januar 2008: Verein der Diakonie "Johann Hinrich Wichern" wegen Schulden liquidiert
Lübecker Nachrichten/epd, 18.01.2008:
Der in Auflösung befindliche Verein der Diakonie "Johann Hinrich Wichern" wird durch die Diakonie Pflegedienst GmbH in Vorpommern übernommen. Der als Rechtsnachfolger des Diakonischen Werkes Pommern gegründete Verein, der Tochterunternehmen wie die Diakoso GmbH betrieb, hatte bereits 2002 mehrere Millionen Euro Schulden. Unter anderem hatten spekulative Bauinvestitionen bei mangelnder Auslastung zu diesem Defizit geführt. Um eine Insolvenz abzuwenden, musste die Landeskirche Kredite aufnehmen. In Verträgen mit der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft Kiel (EDG) verpflichten sich die neuen Träger zu Zahlungen in Millionenhöhe an die Bank. Nach ähnlichen Problemen beim Diakoniewerk Ueckermünde, im Diakonie- krankenhaus Anklam sowie im ausgegründeten Diakonie-Klinikum Vorpommern GmbH hatte sich dort die private Klinikkette Ameos eingekauft. [Anmerkung: Die Evangelische Darlehnsgenossenschaft in Kiel gehört zum Gebiet der Nordelbischen Evangelisch- Lutherischen Kirche. Hier liegen die Geldeinlagen der kirchlichen und „gemeinnützigen“ Rechtsträger. Die EDG ist nach Angaben von Creditreform Deutschland auch die Hausbank des Diakonie-Klinikums Hamburg].
Juni 2007: Diakonie Hamburg will ausgliedern
Die Gewerkschaft Ver.di hat dem Diakonischen Werk in Hamburg die Billigung von Tarifflucht und Leiharbeit vorgeworfen. "Mit Dumpinglöhnen in der ambulanten Pflege wird die Qualität der Pflege gewährleistet und die Evangelische Stiftung Bodelschwingh betätigt sich als Leiharbeitsunternehmen", sagte der zuständige Ver.di-Sekretär Norbert Proske am Freitag. Diakonie-Chefin Annegrethe Stoltenberg wies die Vorwürfe zurück. Auslöser des Streits ist die Ankündigung der Evangelischen Stiftung Bodelschwingh, zum 30. Juni den Bereich der ambulanten Pflege in eine GmbH auszugliedern und dort künftig den Tarifvertrag für Zeitarbeitsunternehmen anzuwenden. "Der Vorstand senkt damit massiv die Gehälter, insbesondere für neu Eingestellte", sagte Proske. ... Von den Veränderungen seien rund 230 Mitarbeiter betroffen. In einigen Tarifgruppen liege das Entgelt bei Zeitarbeitsunternehmen noch unter dem, was in anderen Hamburger Pflegeunternehmen gezahlt werde. Landespastorin und Diakoniechefin Stoltenberg räumte im Gespräch mit der WELT ein, dass sie über die Situation nicht glücklich sei und sprach von einem "schmerzhaften Beitrag" der Arbeitnehmer. Aber die Stiftung habe vor dem Problem gestanden, entweder die Kosten zu senken oder den Pflegebereich zu schließen. Der Grund seien die von der Pflegekasse bezahlten Entgelte, die die Kosten nicht decken würden.
März 2007: Flucht aus dem allgemeinen kirchlichen Tarifvertrag in Württemberg
Erstmals in der Nachkriegsgeschichte rief die Gewerkschaft ver.di Beschäftigte der Diakonie zu einem ganztägigen Warnstreik am heutigen Freitag, dem 16. März 2007 auf. In acht Einrichtungen der Diakonie in der Region Stuttgart sollte gestreikt werden. Zeitgleich rief die AGMAV (Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen) Württemberg zu einer Großdemonstration in Stuttgart auf. ...Anlass der Demonstration, an der dann auch ca. 4000 Menschen teilnahmen, war die Tagung der Synode der Evangelischen Landeskirche Württemberg in Stuttgart, auf der über die Löhne und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten beraten wurde. Die Gewerkschaft ver.di und die AGMAV fordern die Übernahme des Tarifvertrages öffentlicher Dienst ohne Abstriche. Die Arbeitgeberseite will das Niveau des TV ö.D. (auch in einer diakonisch angepassten Fassung) deutlich absenken und dazu den einzelnen Einrichtungen die Möglichkeit einräumen, die Standards zu senken. ...
Bernd Riexinger, Bezirksgeschäftsführer ver.di Stuttgart: „Der dritte Weg ist gescheitert. Wenn sich die kirchlichen Arbeitgeber wie andere Arbeitgeber verhalten, dann ist es höchste Zeit, dass dort Tarifverträge abgeschlossen werden wie in anderen Branchen auch.“
Evangelische Nachrichtenagentur idea 17.3.07:
Unbeeindruckt von massiven Protesten gegen Lohndumping hat die württembergische Synode ein neues Arbeitsrecht für rund 40.000 Beschäftigte in der Diakonie verabschiedet. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Mit großer Mehrheit beschloss das Kirchenparlament am 16. März, dass Diakonie-Einrichtungen vom allgemeinen kirchlichen Tarifvertrag in Württemberg abweichen und den durchschnittlich sechs Prozent geringeren Tarif des Diakonischen Werks der EKD anwenden dürfen. Nur durch geringere Personalkosten könne man dem wachsenden Druck privater Anbieter auf dem Markt sozialer Dienstleitungen standhalten, hieß es.Befürworter der neuen Regelung wiesen darauf hin, dass die württembergischen Tarife über denen vergleichbarer kommunaler Träger lägen und auch bundesweit zu den höchsten gehörten. Für die jetzigen Mitarbeiter gebe es eine Besitzstandsgarantie, so dass niemand Lohnkürzungen zu erwarten habe. Heftige Kritik wurde an der zunehmenden Praxis diakonischer Einrichtungen geübt, einzelne Arbeitsbereiche, etwa Reinigungs- und Hauswirtschaftsdienste, auszugliedern und nach niedrigeren Haustarifen zu bezahlen. Der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Oberkirchenrat Helmut Beck (Stuttgart), sagte ein Ende dieser Tarifflucht zu. Bereits ausgegliederte Arbeitsbereiche sollten in das diakonische Tarifrecht zurückgeführt werden. ...
In einem Kommentar zum Beitrag im Blog www.trueten.de vom 16.3.07 heißt es:
Nicht nur in Baden-Würtenberg wird von der Diakonie meines Erachtens rechtswiedrig gehandelt. In NRW wird über Ausgliederung nachgeschalteter Dienste z.b. Küche, Raumpflege und Haustechnik, in stationären Einrichtungen, die in Servicegesellschaften gehen der Anfang gemacht. In 2008 und 2009 soll das auch für das Stationäre Pflegepersonal gelten um das Tarifrecht zu unterwandern. Das ist dann vereinbar mit den Leitsätzen der Diakonie
Siehe auch
- Christliche Nächstenleihe
Artikel in der Jungen Welt vom 16.3.07 zum Kirchenarbeitsrecht
Februar 2006: Bundesweiter Aktionstag
Unter dem Motto „Die Arbeit im Sozial- und Gesundheitswesen ist etwas wert – Gutes Geld für gute Arbeit“ machten am 9. Februar 2006 Beschäftigte der kirchlichen Einrichtungen einen bundesweiten Aktionstag.
Im Aufruf von ver.di dazu heißt es:
... die Arbeitgeber in den ev. Landeskirchen, den Bistümern, bei Diakonie und Caritas reihen sich mit ihren Forderungen nahtlos ein in die Forderungen der Arbeitgeber aller Branchen nach Lohnsenkung, Arbeitszeiterhöhung, Leistungslohn sowie regionalen und betrieblichen Öffnungsklauseln, um weitere Lohnsenkungen durchsetzen zu können. Im Osten der Republik und in Hessen-Nassau sind die Kirchen Vorreiter und setzen vor den anderen Wohlfahrtsträgern Gehaltssenkungen und schlechtere Arbeitsbedingungen durch. ...
Seit über einem Jahr ziehen sich die Verhandlungen hin – bei den evangelischen Landeskirchen und bei Diakonie und Caritas kam es fast nirgends zu zählbaren Ergebnissen. Mit einem bundesweiten Aktionstag machten daher die Beschäftigten gestern auf ihre Forderungen aufmerksam.
Die Vertreter der Arbeitnehmer verlangen die Übernahme des Tarifs für den öffentlichen Dienst (TVöD), den Bund und Kommunen mit ver.di zum 1. Oktober 2005 vereinbart haben. ... Seit Monaten bemüht sich das Diakonische Werk der EKD darum, die 23 diakonischen Landesverbände auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die unterschiedlichen Auffassungen scheinen aber kaum überwindbar.
Die Arbeitnehmervertreter haben auf Bundesebene alle Angebote unterhalb des TVöD zurückgewiesen. Hessen-Nassau sowie Baden sind bereits ausgeschert und haben jeweils eigene Tarife mit den Arbeitnehmern abgeschlossen. Dabei ist Hessen unter dem Niveau des TVöD geblieben, während Baden diesen für die Kirche weitgehend übernommen hat. Deutlich beweglicher als die Protestanten zeigt sich die katholische Seite. Dort haben 14 von insgesamt 27 Bistümern den von ver.di ausgehandelten TVöD übernommen.
Siehe auch
Diakonisches Werk in Hessen und Nassau
In Dr. med. Mabuse 156 Juli/August 2005 schreibt Georg Schulze-Ziehaus vom ver.di Landesbezirk Hessen:
Als erstes Diakonisches Werk hat das Diakonische Werk in Hessen und Nassau (DWHN) bereits vor zwei Jahren angekündigt, es beabsichtige, aus dem (damals gültigen) Bundesangestelltentarifvertrag auszusteigen und ein „modernes“ Arbeitsrecht zu schaffen. ... Im Einzelnen sind folgende Verschlechterungen vorgesehen:...
- Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden; dies ist im Altenheimbereich auch für die Arbeitgeber eine unsinnige Maßnahme, denn die Kostenträger werden entsprechend geringere Pflegesätze zahlen, weil die Arbeitskosten niedriger sind;
- Streichung des Urlaubsgeldes;
- einschneidende Reduzierung des Weihnachtsgeldes;
- Kürzung bei den unteren Gehaltsgruppen um teilweise mehr als 500 Euro (!), wobei diese Kürzung innerhalb von vier Jahren in jeweils vier Stufen umgesetzt werden soll;
- Kürzung der Ausbildungsvergütung um ein Drittel, obwohl zum Beispiel bei den Auszubildenden in der Krankenpflege die Ausbildungskosten von den Kostenträgern voll refinanziert werden;
- neue Eingruppierung aller MitarbeiterInnen innerhalb von zwei Jahren in eine „vereinfachte“ Tabelle bei Vorgabe nur von allgemeinsten Tätigkeitsmerkmalen, die dann noch innerbetrieblich „konkretisiert“ werden sollen;
- Einführung von leistungsbezogenen Vergütungsbestandteilen ohne weitere Vorgaben und mit dem Auftrag, diese innerbetrieblich zu konkretisieren;
- ein „Umklappkatalog“ von den alten in die neuen Eingruppierungen, der für über 95 Prozent der MitarbeiterInnen Verschlechterungen vorsieht, die teilweise erheblich sind. Anders als bei den unteren Gehaltsgruppen soll bei den höheren eine Differenzzulage gewährt werden, auf die zukünftig hälftig jede Lohnerhöhung angerechnet werden soll. ...
Aktueller Stand
Der Widerstand der Diakonischen Mitarbeiter und der Gewerkschaft ver.di gegen die Absenkungen hat Wirkung gezeigt. Ist auch der Termin, zu dem die Verschlechterungen in Hessen und Nassau umgesetzt werden sollten, inzwischen offiziell auf den 1. Oktober verschoben, wird doch hinter vorgehaltener Hand schon von einer Verschiebung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag“ gemunkelt.
Papier gegen Gewerkschaftsarbeit
Die Frankfurter Rundschau vom 8.11.05 berichtet:
In einem internen Papier spricht sich der Personalvorstand der Diakonie in Hessen und Nassau dafür aus, Mitgliedern der Mitarbeitervertretung die Gewerkschaftsarbeit teilweise zu verbieten. Verdi sieht eine "neue Qualität der Auseinandersetzung". ...
Das Papier, das der FR vorliegt, haben nach Auskunft der Diakonie etwa 12 der 254 Einrichtungen erhalten. Es trägt die Überschrift: "Mitarbeitervertretungen haben sich jedweder Gewerkschaftstätigkeit zu enthalten!", unterschrieben hat es der Diakonie-Personalvorstand Wilfried Knapp. "Bei der Diakonie liegen die Nerven blank", sagt der Verdi-Kirchenexperte Georg Schulze-Ziehaus. Das Papier sei ein Versuch, Gewerkschaften und Mitarbeiter mundtot zu machen. Seit Oktober müssen die Beschäftigten schlechtere Arbeitsbedingungen hinnehmen: Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hatte sich als erste Landeskirche vom Bundesangestelltentarif abgekoppelt. Für die rund 34 000 Beschäftigten der Diakonie bedeutet dies Lohnsenkungen und die Einführung der 40-Stunden-Woche, dazu wurde das Weihnachtsgeld gekürzt und Urlaubsgeld gestrichen.
Am 9.11.05 zog das Diakonische Werk in Hessen und Nassau (DWHN) komplett zurück. Gegen die gewerkschaftliche Betätigung von Mitarbeitern in diakonischen Einrichtungen sei nichts einzuwenden, stellte der DWHN-Vorstand klar. (Evangelischer Pressedienst 9.11.05)
Tausende KollegInnen drohen mit Gericht
Die Arbeitsgemeinschaft der MitarbeiterInnenvertretungen in den Diakonischen Werken in Niedersachsen berichtet am 5.2.06:
Die evangelische Kirche und das Diakonische Werk in Hessen und Nassau haben sich mit der neuen Arbeitsvertragsordnung (AVO) eine Menge Ärger eingehandelt. Der neue Tarif gilt seit 1. Oktober 2005 – und schon müssen die Arbeitsgerichte über die ersten Klagen entscheiden. Drei Krankenhäuser in Frankfurt mussten in rund 150 Fällen vor der Schiedskommission Niederlagen einstecken. »Es wird in diesem Jahr ständig Zoff geben«, sagt Armin Loew, Mitarbeitervertreter des Markus-Krankenhauses in Frankfurt, voraus. ... Viele Mitarbeiter wehren sich nun mit Rechtsmitteln gegen die Gehaltskürzungen. In der EKHN liegen nach Angaben der Pressestelle 300 Einsprüche gegen die Streichung des Urlaubsgeldes vor. Laut ver.di haben tausende Diakonie-Mitarbeiter in Hessen und Nassau ihrem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt, dass sie die Kürzungen nach der neuen Arbeitsvertragsordnung nicht akzeptieren. Sie halten sich mit der sogenannten Geltendmachung die Option offen, vor Gericht gegen tariflich bedingte Gehaltskürzungen zuklagen. Der Vorstand des DWHN glaubt zwar nicht,dass die Gerichte die Streichung des Urlaubsgeldes für rechtswidrig erklären werden, hat aber bereitszugesichert, dass er im Fall der juristischen Niederlage »allen« Mitarbeitern, also auch jenen,die keinen Widerspruch eingelegt haben, das Urlaubs-geld nachträglich gewähren werde. Einzelne Mitarbeiter haben laut Armin Loew bereits Klage eingereicht und die ersten Gütetermine beim Arbeitsgericht hinter sich. Dabei wurde keine Einigung erzielt. Jetzt müssen die Richter entscheiden. Die Gewerkschaft ver.di kündigte für dieses Jahr weitere Musterklagen an. Es wird ein »unruhiges Jahr«werden, sagt Erhard Schleitzer. ...
Siehe auch
- Website des DWHN
- Diakonie Hessen im Zwielich (1999/2000)
- junge welt 22.6.05
Interview mit Carsten Frerk, dem Autor von „Caritas und Diakonie in Deutschland“ - Kontraste 26.1.06
Fernsehsendung über Mitbestimmungsrechte
Diakonisches Werk Rheinland
Alfried-Krupp-Krankenhaus Essen
Die Arbeitsgemeinschaft der MitarbeiterInnenvertretungen in den Diakonischen Werken in Niedersachsen berichtet am 20.1.06:
Das Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen ist zum 1. Januar 2006 zum Diakonischen Werk Rheinland gewechselt. ... Die Mitarbeiter waren am 3. Januar nachträglich und "überfallartig" informiert worden. Der Betriebsrat wird zur Mitarbeitervertretung. Ein Kirchenaustritt soll ein Kündigungsgrund für die Mitarbeiter sein.
Das Essener Krupp-Krankenhaus verkündete zum Jahresanfang [2006] den Wechel zum Diakonischen Werk, erklärte den Betriebsrat für aufgelöst und will schlechtere Kirchentarife anwenden ... Die Folge: Statt des Betriebsverfassungsgesetzes gelte nun Kirchenrecht, der Betriebsrat sei mit sofortiger Wirkung aufgelöst und auf Neueingestellte werde der für die Beschäftigten schlechtere, kirchliche Tarifvertrag angewendet…
Betriebsrat wieder eingesetzt
Meldung des WDR vom 29.8.2006:
Das Düsseldorfer Landesarbeitsgericht hat den Betriebsrat des Essener Krupp-Krankenhauses wieder eingesetzt. Nach dem bundesweit einmaligen Eintritt der weltlichen Klinik ins evangelische Diakonische Werk hatten die Beschäftigten eine kirchliche Mitarbeitervertretung gewählt. Der aufgelöste Betriebsrat klagt seit Anfang des Jahres gegen die Umwidmung zum kirchlichen Krankenhaus, da hier die Mitbestimmungsrechte geringer sind als bisher. Das Landesarbeitsgericht gab ihm jetzt vor allem deshalb recht, da einige Bedingungen für den Eintritt ins Diakonische Werk nicht erfüllt waren. So würde das Vermögen der Klinik bei einer Schließung nicht der Diakonie sondern der Krupp-Stiftung zufließen. Die Klinikleitung will jetzt zum Bundesarbeitsgericht gehen. Sie ist der Auffassung, dass es gegen das Grundgesetz verstößt, wenn ein weltliches Gericht über eine kirchliche Einrichtung befindet.
Siehe auch
- Virus – Betriebszeitungen der ver.di Vertrauensleute im AKK Essen
- Beschlussverfahren Betriebsrat Alfried Krupp Krankenhaus gegen Alfried Krupp Krankenhaus
Mitteilung des ver.di Landesbezirks NRW 30.8.06
Diakonische Werk Bremen
Kirchengerichtshof untersagt Leiharbeit als verdecktes Lohndumping
Beitrag im Pflegenetz Forum 18.10.06:
Das diakonische Werk Bremen hat in seiner Reha- und Pflegeeinrichtung Friedehorst versucht, mit einem Trick die Personalkosten zu drücken: Neueingestellte KollegInnen sowie befristet beschäftigte KollegInnen, deren Verträge ausliefen, wurden nicht mehr direkt bei Friedehorst eingestellt, sondern in der eigens gegründeten Leiharbeitsfirma "parat". Ursprünglicher Zweck von "parat" ist mal gewesen, kurzfristige Personalengpässe zu überbrücken. Hierzu hatte ver.di sogar einen an die Zeitarbeitsbranche angelehnten Tarifvertrag abgeschlossen. Durch mißbräuchliche Praxis hatte sich jedoch die Situation ergeben, daß zunehmend reguläre Stellen durch "parat"-Arbeitnehmer verdrängt wurden, die bis zu 45% weniger Gehalt bekommen. KollegInnen klagten gegen diese Praxis und bekamen in zweiter Instanz vor dem Kirchengerichtshof der evangelischen Kirche recht: Der Kirchengerichtshof sieht "in der Tarifflucht durch die Beschäftigung von Leiharbeitnehmern einen Verstoß gegen elementare kirchliche Grundsätze." Wer in dieser Praxis verfahren wolle, der müsse das außerhalb der Kirche tun. "Dann nämlich hätten die Beschäftigten den vollen Schutz des staatlichen Arbeitsrechts, zum Beispiel durch Betriebsräte, Gewerkschaften und Tarifverträge." In den Grundpositionen des Verbandes der Diakonischen Dienstgeber in Deutschland steht: "Vereinbartes Arbeits- und Tarifrecht gilt für alle Arbeitsverhältnisse in der Diakonie verbindlich. Unterschiedliches Arbeits- und Tarifrecht ist mit dem Gedanken der Dienstgemeinschaft nicht vereinbar."
Quelle: DIE NORDDEUTSCHE, 18.10.2006
Siehe auch
Von Bodelschwinghsche Anstalten Bethel
Was ist in Bethel los?
Unhaltbare Zustände in den von Bodelschwinghschen Anstalten?
"Vor kurzem war in der Presse nachzulesen, dass Bundespräsident Horst Köhler die von Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld besucht hat und dass dieser Besuch ein wunderbarer Akt der Freude gewesen sei. Positive Presse für Bethel – Wie sollte es auch sonst sein…
Nun, ich schreibe diesen Bericht, um auf eine andere Seite der von Bodelschwinghschen Anstalten aufmerksam zu machen. Ich bin als Pflegekraft in Bethel tätig, meine Aufgabe ist die Pflege und Betreuung von Menschen. Die Arbeit an und für sich halte ich für etwas Gutes, den Menschen die Unterstützung zu geben, welche sie benötigen und auf ihre Bedürfnisse und Wünsche eingehen zu können. Leider ist das nicht mehr so einfach machbar, die Situation ist unhaltbar geworden. Die Stationen sind unterbesetzt, es mangelt an fähigem Fachpersonal, Krankheitsfälle von MitarbeiterInnen reißen beinahe unflickbare Löcher in den Dienstplan, die Verantwortung, welche auf den PflegerInnen lastet, ist enorm hoch und nicht zuletzt ist der Lohn für die Arbeit lächerlich niedrig...
Das kann meines Erachtens nach so nicht weitergehen. Ständig bekommt mensch in den Medien von so genannten Pflegeskandalen mit, geschickt wird jedoch meistens nur die eine oder andere Pflegeeinrichtung zum Sündenbock gemacht, bei allen anderen geht es wie gehabt weiter, ohne dass eine positive Änderung zu erkennen ist. Es muss sich etwas verändern. Die Öffentlichkeit darf nicht länger ihre Augen verschließen vor der Pflegesituation in den Einrichtungen. Denn jedeR wird einmal alt und ist eventuell auf Pflege angewiesen, jedeR kann in einen Autounfall verwickelt werden und zum Pflegefall werden, es können auch die FreundInnen und/oder Verwandte betroffen sein. Es ist einfach unumgänglich, sich damit zu beschäftigen." 08.09.2008, Eine Pflegekraft
Brief einer Pflegekraft über die Situation in Bethel 7.10.08, veröffentlicht bei der FAU Bielefeld.
Abdruck der Forderungen der FAU als Reaktion auf obigen Brief
Die FAU fordert:
- das Ende der unhaltbaren Situation von Pflege- und Betreuungskräften in Bethel und damit zugleich ein Betreuung ohne Fließbandfaktor, denn der betreute Mensch ist kein Stück Metall und braucht Zuwendung und Zeit.
- Langfristige Arbeitsverträge zur Absicherung einer verbesserten Pflegesituation für alle Seiten.
- Menschenfreundliche Betreuung statt Finanzkalkül und Nutzdenken.
- Für eine menschenfreundliche solidarische Gesellschaft abseits von Verwertungslogik und Kapitalismus.
Pflege geht uns alle an!
Siehe auch
- Offener Brief an Herrn Schreyer, Diakoniewerk Mühlheim, zum Thema Ein-Euro-Jobs, 5.12.06
- Soziale Träger auf Niedriglohnkurs? - Zur aktuellen Entwicklung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Sozialsektor
Gertrud Kühnlein, Norbert Wohlfahrt in WSI Mitteilungen 7/2006 (u.a. über tarifliche Strategien von Diakonie und Caritas) - Frankfurter Rundschau 7.11.07: Klinisch schlechter - Ärzte kritisieren kirchliche Krankenhäuser
- Marburger Bund 9.11.07: Ausbeutung und Lohndiebstahl - Kirchliche Krankenhäuser sind die schlechtesten Arbeitgeber
- ver.di: Kirchen, Diakonie, Caritas
- Initiative gegen die Bebauung des Sparbiersportplatzes: Die Diakonie - Wohltätigkeitskonzern unterm Kreuz (– mit Vergangenheit)
- Caritas
- Agaplesion gAG

