Caritas
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Oktober 2005
Tarifflucht: Personalgesellschaft "auxilia"
Der Träger des St. Joseph Krankenhauses in Berlin-Tempelhof, die Katholische Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth, hat eine Personalgesellschaft namens "auxilia" gegründet, so die Ärzte Zeitung vom 19.10.05. In diese Personalgesellschaft sollen mittel- bis langfristig 200 bis 250 MitarbeiterInnen des Krankenhauses „ausgegliedert“ werden. Die Ärzte Zeitung berichtet weiter:
Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Mitarbeiter richten sich dann nicht mehr nach dem Tarifvertrag, der für die Caritas gültig ist, sondern nach einem neuen Tarifvertrag mit dem klingenden Namen "B.O.L.E.R.O.".
Der Tarifvertrag beeinhaltet: befristete Arbeitsverträge, wechselnde Arbeitsplätze und Einsatzstellen, 40-Stunden-Woche mit Möglichkeit zur Kürzung ohne Lohnausgleich.
Siehe auch
Dezember 2007
MB-Demo gegen Arbeitsbedingungen in kirchlichen Krankenhäusern
Am Mittwoch, den 5. Dezember, veranstaltet der Marburger Bund (MB) im nordrhein-westfälischen Bad Honnef eine Protestveranstaltung gegen die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Krankenhäusern. Zudem tagt am 5. und 6. Dezember die Arbeitsrechtliche Kommission des Deutschen Caritasverbandes. „Schuften und schweigen – diese Zeit geht auch für Ärzte an konfessionellen Kliniken zu Ende“, erklärte der Erste Vorsitzende des MB, Rudolf Henke, im Vorfeld der Proteste.Laut einer MB-Umfrage, an der sich bundesweit rund 3.100 Ärzte aus kirchlichen Kliniken beteiligten, sind in konfessionellen Häusern mehr rechtlich nicht zulässige „lange Dienste“, mehr unvergütete Überstunden und eine schlechtere Arbeitszeiterfassung zu beklagen als in den übrigen Kliniken der Republik. Henke: „Es ist deshalb traurige Realität, dass 54 Prozent aller dortigen Ärzte erwägen, ihren Job aufzugeben.“
Mit der Demonstration am 5. Dezember wende sich der MB gegen die katholischen Krankenhäuser. „Drei Jahre warten die Ärzte in den Kliniken der Caritas schon auf eine Gehaltserhöhung“, sagte der MB-Vorsitzende. Man werde den Arbeitgebern nun ein „erstes Signal des Protestes“ geben. Kernforderung sei, dass die Krankenhäuser die arztspezifischen Tarifverträge für öffentliche Kliniken übernehmen.
Rudolf Henke, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes und Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen (CDU) sowie Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer, sagte in Bad Honnef (MB-Info):
Wir fragen die Caritas ...:
- Ist es christliche Verwirklichung des ethischen Werts von Arbeit, wenn 66% der Ärzte beklagen, dass die Höchstarbeitszeitgrenzen nicht eingehalten werden?
- Ist es christliche Grundbedingung für soziale Gerechtigkeit, wenn über 80% der Kollegen wöchentlich zwischen 50 und 80 Stunden arbeiten müssen?
- Ist es christliche Verwirklichung gerechter Lohnstrukturen, wenn 60% der Ärzte eine systematische Arbeitszeiterfassung nur vom Hörensagen kennen?
- Ist es christliches Verständnis von gerechter Vergütung, wenn 72% der geleisteten Überstunden gar nicht vergütet werden?
Siehe auch
- Soziale Träger auf Niedriglohnkurs? - Zur aktuellen Entwicklung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Sozialsektor
Gertrud Kühnlein, Norbert Wohlfahrt in WSI Mitteilungen 7/2006 (u.a. über tarifliche Strategien von Diakonie und Caritas) - Frankfurter Rundschau 7.11.07: Klinisch schlechter - Ärzte kritisieren kirchliche Krankenhäuser
- Marburger Bund 9.11.07: Ausbeutung und Lohndiebstahl - Kirchliche Krankenhäuser sind die schlechtesten Arbeitgeber
- ver.di: Kirchen, Diakonie, Caritas
- Diakonie

