Accenture

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Accenture ist eine weltweit agierende Managementberatungsgesellschaft mit ca. 75.000 Angestellten in rund 45 Ländern.

Zu den Kunden von Accenture gehören die Allianz AG und andere Versicherungskonzerne, die Deutsche Bank, Aventis, Bayer, GlaxoSmithKline, Novartis, Ministerien verschiedener Länder und der Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg (LBK).

Accenture unterhält eine „strategische Allianz“ mit Ernst & Young (Info von Ernst & Young Südafrika).


Inhaltsverzeichnis

USA

Enron

Accenture trennte sich 2000 von Andersen Consulting. Andersen Consulting war als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater an den Bilanzfälschungen des Energiekonzerns Enron beteiligt, die bei der größten Firmenpleite in der Wirtschaftgeschichte der USA 2001 aufgedeckt wurden und in deren Folge tausende von RentnerInnen ihre aktienbasierten Renten verloren. (CRN 3.9.02)

Siehe auch

Privatisierung und Wahlrecht

Bei den Präsidentschaftswahlen in Florida 2000 wurde Accenture für ca. 2 Millionen $ mit der Erstellung von Wahllisten beauftragt. Neben technischen und vertraglichen Problemen wurden Unregelmäßigkeiten entdeckt, die schwarze WählerInnen gegenüber hispanischen benachteiligen. Schwarze wählen in Florida bevorzugt demokratisch, hispanische republikanisch. Zeitungsberichten zufolge leistete Accenture Spenden bevorzugt an die Republikaner. (The BrownWatch – News for People of Color, Sunday Herald 8.8.04, NYSSCPA 28.7.04, New York Times 29.3.04)

Angesichts dieser Vorkommnisse wehrt sich eine Organisation namens „Progressive Values Wisconsin“ (PVW) gegen die Vergabe eines Auftrags an Accenture zur Erstellung von Wahllisten in ihrem Bundeststaat. Ein Vertreter von PVW bemerkt, die personelle Unterbesetzung der für die Wahlen zuständigen öffentlichen Stelle (Election Board) zwinge zur Vergabe von Aufträgen an privat geführte Unternehmen. (PVW 1.12.04)

Das US-Militär beauftragte Accenture mit der Einrichtung eines Online-Wahlsystems, um im Ausland stationierten Militärangehörigen und deren Familien eine Beteiligung an US-Wahlen über das Internet zu ermöglichen. Aus Sicherheitsgründen stellte das US-Verteidigungsministerium das Projekt im Februar 2004 ein. Der Sicherheitsbericht, der zur Einstellung des Projekts veranlasste, wurde zunächst vom Pentagon und von Accenture als „Minderheitenbericht“ in die Schublade gelegt. (New York Times 6.2.04)

Steuerparadiese und Grenzregime

Im Mai 2004 stoppte der US-Staat Illinois eine Zahlung von 2 Millionen $ an Accenture, um zu prüfen, ob eine Zusammenarbeit öffentlicher Stellen mit Firmen möglich sei, deren Sitz sich in Steuerparadiesen befinde. (The Channel Insider 4.5.04)

Im Juni 2004 stimmte das US-Repräsentantenhaus gegen einen 10 Milliarden $ Vertrag mit Accenture, weil Accenture durch seinen Firmensitz auf den Bermudas Steuerzahlungen in den USA vermeide und dadurch bei öffentlichen Ausschreibungen Firmen mit Sitz in den USA übervorteilen könne. (internetnews.com 9.6.04, The Freedom of Information Center 10.6.04, Telepolis 2.6.04)

Bei dem 10 Milliarden $ Vertrag geht es um die Organisation eines Grenzregimes („virtual border“ project), das mehr als 400 US-Grenzübergängen die Erfassung biometrischer Daten von Einreisenden ermöglichen soll.

Das Center for Corporate Policy, eine non-profit Organisation zur Eindämmung von Korruption, führt die hoch dotierten öffentlichen Aufträge, die Accenture erhält, auf Kontakte von Accenture zur Bush-Administration zurück. (Center for Corporate Policy – Tax traitors, März 2005)

Bundesagentur für Arbeit

Anfang 2003 erhielt Accenture von der Bundesagentur für Arbeit (BA) den Auftrag, einen „virtuellen Arbeitsmarkt“ einzurichten. Das Auftragsvolumen dafür wuchs irgendwie um 60 bis 100 Millionen € über die ursprünglich geplante Summe hinaus. Dem damaligen Chef der BA, Florian Gerster, wurde vorgeworfen, der Auftrag sei nicht ordnungsgemäß zustande gekommen. Gerster wurde daraufhin entlassen. (FAZ 8.12.03, TAZ 26.1.04)

Ungefähr zwei Jahre zuvor erhielt Accenture in Ohio (USA) ebenfalls den Auftrag, einen „virtuellen Arbeitsmarkt“ zu schaffen. Nachdem Ohio enorme Kosten entstanden, wurde das Projekt eingestellt. Zuständige BehördenmitarbeiterInnen gerieten unter Korruptionsverdacht. (CorpWatch 20.6.03, Polaris Institute Juni 2003)

Klagenfurt (Kärnten)

Am 18.10.2004 gab der Vorstandssprecher des Landesbetriebs Krankenhäuser Hamburg (LBK), H.L., bekannt, das LBK-Tochterunternehmen ConsiG werde zusammen mit Accenture bis 2008 für ein Beratungsentgeld von 4,5 Millionen US-Dollar in Klagenfurt (Kärnten) ein neues Landeskrankenhaus errichten. (Die Welt 19.10.04, Pressemitteilung LBK 18.10.04, Pressemitteilung Accenture 18.10.04)

Unterdessen werden in Klagenfurt und Umgebung Krankenhäuser und Stationen geschlossen. (Gailtal Channel 16.7.04, Grüne Klagenfurt 25.11.04, Protesterklärung der Ärztekammer Kärnten 14.12.04) Gegen die Schließung der Unfallchirurgie Hermagor führten rund 60 BürgerInnen im März 2005 eine kleine Blockade durch. (Gailtal Channel 11.3.05)

Das LKH Klagenfurt betreibt ein Krankenhausinformationssystem namens ORBIS®, das die GWI AG anbietet. Die GWI AG startete 2003 mit Asklepios ein Pilotprojekt zur Optimierung von „Behandlungspfaden“ unter Einsatz von ORBIS®. (Pressemitteilung GWI AG 29.9.03, Pressemitteilung GWI AG 19.11.03)

Zusammen mit anderen Kärntner Krankenhäusern wird das LKH Klagenfurt von der KABEG Landeskrankenanstalten Betriebsgesellschaft betrieben. Im Aufsichtsrat der KABEG sitzt Jörg Haider von der FPÖ (KABEG Geschäftsbericht 2003). Nach Angaben der „Kleinen Zeitung“ 12.3.05 hatte die FPÖ 2001 für eine Gesetzesänderung gesorgt, wonach Angestellte eines unter dem Dach der KABEG befindlichen Krankenhauses nicht im Aufsichtsrat vertreten sein dürfen.

Die Kärntner Landesregierung hatte laut CliniCum 1-2/2006 im Jahr 2005

den Verkauf der Landeskrankenanstalten Klagenfurt, Villach, Wolfsberg, Laas und der Gailtal- Klinik Hermagor an die landeseigene Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft (Kabeg) beschlossen. ... Dafür nimmt die Spitalsholding jährlich 196 Millionen Euro auf. Insgesamt soll sich bei der Kabeg mittlerweile ein Kreditschuldenstand von 880 Millionen Euro angehäuft haben. ... Es ginge rein um eine Umschichtung von Schulden, meinten Kritiker gegenüber dem CliniCum, die aber namentlich nicht genannt werden wollen. Landessprecher LAbg. Rolf Holub von den Grünen gab zu bedenken, dass das Land wegen der anfallenden Kosten für die Kreditrückzahlung im Endeffekt 200 Millionen Euro verlieren würde. Für das LKH Klagenfurt könnten sich durch den Verkauf aber sogar Vorteile ergeben. „Durch die Konzentration der Gebäude im Zuge des LKH-Neubaus ... können wir mit den Grundstücken selbst agieren und diese veräußern, ohne das Land mit einbeziehen zu müssen“, sagt der medizinische Direktor des LKH Klagenfurt Univ.-Doz. Dr. Thomas Koperna.


Im August 2006 deuteten die Grünen Österreichs Verwicklungen der Kärntner Landeskrankenhäuser in Risikospekulationsgeschäfte der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) an:

Peter Pilz [Sicherheitssprecher der Grünen Österreichs] ... verfüge über "sehr konkrete Hinweise", dass die Bank auch auf faulen Krediten in dreistelliger Millionenhöhe sitze. Jetzt solle die Finanzmarktaufsicht FMA überprüfen, in welchem Ausmaß es tatsächlich solche faulen Kredite gebe, forderte Pilz ... Erst dann könne man sagen, "ob die Bank überhaupt lebensfähig ist", so Pilz. ... Falls die begebene Bankenanleihe "nicht funktioniert, dann hat das Land Kärnten ein nicht lösbares finanzielles Problem" und stünde am Rande des Konkurses. Man müsse überhaupt "anschauen, ob Kärnten im nächsten Jahr noch zahlungsfähig ist". Landeskrankenhäuser seien bereits verkauft und zurückgeleast worden - über die Hypo Alpe Adria.

Siehe auch


KLINOVA

Bereits vor 1998 bestanden Kontakte zwischen dem LBK und Accenture: Accenture installierte im AK Barmbek ein „Klinikkonzept“ namens KLINOVA. (Accenture Outlook Journal 1/2000,)
Mit von der Partie war M.K., bis 2003 Leiter einer „Industriegruppe Health Services“ bei Accenture und bis Mitte Januar 2005 Vorstandsvorsitzender der Ameos AG.

Wer weiß mehr über KLINOVA?

Siehe auch

Westdeutsche Landesbank (WestLB)

Zusammen mit der WestLB und der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie bemühte sich Accenture 2003 um einen Personalabbau bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). (Berliner Zeitung 17.9.03)

Die WestLB und Baker & McKenzie berieten den Hamburger Senat beim LBK-Verkauf.

Weitere Quellen

Siehe auch

Buchtipp

Werner Rügemer (Hg.)
Die Berater – Ihr Wirken in Staat und Gesellschaft
Transcript Verlag Bielefeld 2004


Hinweis: Personennamen wurden gekürzt - auch innerhalb von Zitaten.

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