1. Mai
Aus PrivatisierungsWiki
Die Welt könnte so schön sein ...
1. Mai Aktion: Bringen wir zwei Flugis mit!
Idee: Möglichst viele TeilnehmerInnen bringen zur 1. Mai Demo zwei Flugblätter mit. Eins wird an MitdemonstrantInnen verteilt und eins an PassantInnen, durch uns selbst oder durch andere. Überschrift: 'Die Welt könnte so schön sein!' Text: Ein Erlebnis, mit dem eine konkrete Vorstellung verbunden ist, ein Traum, wie die Welt sein könnte. Vielleicht kann auf der Abschlusskundgebung was aus den Flugblättern vorgelesen werden.
Kann sein, die Zeit bis zum 1. Mai ist schon zu kurz (heute ist der 19. April 2010), um das im größer angelegten Maßstab zu machen. Aber der nächste 1. Mai wird kommen, und die Texte wären auch so interessant.
Schickt eure Flugblätter / Dateien bitte an info[at]ungesundleben.org oder --falls gibt-- an eine andere Sammelstelle und/oder kopiert die Texte direkt hier rein.
Flugi 1 aus Hamburg - Thema: Autoverkehr
Die Welt könnte so schön sein ...
Eine Zeit lang musste ich mit einem kleinen Mädchen - etwa 3, 4 Jahre alt - nach draußen gehen, auf Spielplätze und so. Hatte ansonsten nichts mit Kindern zu tun. Auf den Wegen musste ich ständig aufpassen, dass das Kind nicht getötet wird.
Was für ein Wahnsinn!
Was sollte ich dem Mädchen sagen? Vielleicht: "Wenn du spontan losläufst, wenn du deine Affekte nicht in den Griff kriegst, werden dich die Erwachsenen umbringen"? Soll das normal sein?
Dabei könnte alles so schön sein ...
Nicht die Kinder, sondern die Autos, diese gefährlichen Blechlöwen, werden wie Zootiere gehalten. Die Erwachsenen müssten nur bereit sein, 10 oder 15 Minuten zum nächsten öffentlichen Verkehrsmittel zu Fuß zu gehen. Auf den Straßen in den Wohngebieten würden die Kinder spielen wie sie es früher getan haben. Man könnte sie beruhigt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule schicken, weil sie keine lebensgefährlichen Gegenden passieren müssten. In den Wohnstraßen käme hin und wieder ein Auto im Schneckentempo vorbei. Ein Lieferdienst vielleicht, bei dem man sich vorbestellte Einkäufe abholen kann.
Gehwege so breit, dass man zu zweit gemütlich nebeneinander gehen kann. Keine Blechwüsten mehr. Stattdessen auch mal die Möglichkeit, über unebene Matschwege zu gehen, um das innere Gleichgewicht zu stärken. Nicht mehr dieses ewige Gedröhne der Motoren. Dann doch lieber Kinder- und Vogellärm.
Die öffentlichen Verkehrmittel würden natürlich gemütlich sein. Auf längeren Strecken gäbe es Abteile mit Sofas, Kaffeemaschinen und Brötchen, Zeitschriften und Panoramafenstern. Wegezeiten zum Arbeitsplatz würden als Teil der Arbeitszeit gerechnet. Damit es bei Einstellungen nicht zu Diskriminierungen kommt, wird der Wohnort erstmal nicht bekannt gegeben. Und keine Wartezeiten über 10 Minuten, ggf. Sammeltaxis.
Und natürlich Haltestellen, wo man sich nicht den A.... abfriert. Für Bahnhöfe wie Bad Oldesloe müssten die Betreiber ja eigentlich Abgaben an die Krankenkassen leisten, so wie die eingerichtet wurden -- wahrscheinlich von Autofahrern.
Hier und da gäbe es Plätze mit langsamen Stadtautos, die man einfach benutzen könnte und an einem anderen Platz wieder abstellen. Und Menschen, die wirklich persönliche Autos brauchen, hätten auch welche. Zur Zeit ist es ja so, dass meistens Leute, die gut zu Fuß sind, Auto fahren, während sich diejenigen, die es eigentlich nötig hätten, auf viel zu engen Gehwegen im Straßengewühl herumquälen.
Verkehr zwischen Städten wird weitgehend auf die Schiene und auf Luftschiffe (statt Flugzeuge) verlagert.
Einige Autobahnabschnitte werden so umgebaut, dass Leute nach Abschluss einer Spezialversicherung mit allen möglichen Gefährten auf ihnen herumrasen können, so schnell und oft sie möchten.
Kosten? Nicht höher als der Wahnsinn jetzt. Arbeitsplätze in der Automobilindustrie? Wandelbar in sinnvollere und angenehmere Arbeitsplätze. Autofans unter den AutomobilarbeiterInnen könnten sogar schönere und interessantere Autos entwickeln und produzieren. Die Pferde sind ja auch nicht ausgestorben, wie manche befürchtet hatten, als die Pferdekraft für Transportzwecke überflüssig wurde.
Flugi 2 aus Hamburg - Thema: Gleicher Lohn für jede Arbeit
Die Welt könnte so schön sein ...
In England haben Studierende ein Fahrrad entwickelt für Querschnittsgelähmte. Zum Treten. Die Beine werden benutzt. Elektroden leiten Impulse von den Beinen zur Wirbelsäule oberhalb der Lähmung oder umgekehrt.
Weshalb gibt es solche Ideen nicht öfters?
Ich stelle mir vor, dass Studierende sich um solche Dinge kümmern. Als Diplomarbeit oder so. Sie könnten mit offenen Augen durch die Welt gehen und auf Ideen kommen: dies ließe sich besser machen, das ließe sich besser machen. Aber wirklich besser. Nicht: da könnten Profite rausspringen und hier könnte ein neues überflüssiges Produkt auf den Markt geworfen werden.
Meine Erlebnisse mit heutigen Studierenden sind ziemlich gruselig: Anpassungsbereitschaft bis zur Zwangsjacke, Egozentrismus, Konventionalität, Phantasielosigkeit. Unangepasste Studierende bilden eine kleine Minderheit. Wo soll die Welt enden, wenn noch nicht mal Studierende -- junge Leute mit Privilegien -- ihre Freiräume nutzen, um Ideen zur Weltverbesserung zu entwickeln? Klar, 90% der Ideen würden wohl Grillen sein, undurchführbar, utopisch. Aber das gehört dazu!
Der Mehrheit der Studierenden scheint es bloß um das eigene Ego zu gehen und um Kohle. Wohlverdiente Kohle, glauben die meisten auch noch.
Aber eine Stunde der Lebenszeit einer Putzfrau ist doch nicht weniger wert als eine Stunde Lebenszeit von irgendeinem studierten Krawatten-Kerl! Während des Studiums essen die doch das Brot, tragen die Kleidung, benutzen die Steckdosen und S-Bahnen, die andere für sie bereit stellen. Und später? Sie sagen, höhere Verantwortung berechtigt zu höherem Einkommen. Am Ende baden aber andere ihre Irrtümer und Verantwortungslosigkeiten aus. Und: Wenn jemand eine Verantwortung zu schwer findet, muss er/sie die Verantwortung eben mit anderen teilen. Ganz einfach!
Ich stelle mir eine Welt vor, in der alle Menschen gleichwertig sind. Wer mehr haben will als andere, muss dafür eben mehr Lebenszeit opfern als andere. Soll jedeR eine Villa mit Swimmingpool haben! Meinetwegen! Aber nicht für dieselbe Arbeitszeit, in der andere gerade mal eben ihre Miete für die Etagenwohnung zusammenbringen.
Jaaa, heißt es dann: So ein Manager arbeitet doch auch nicht nur 8 Stunden, sondern 16 Stunden und mehr täglich. Er bekommt aber mindestens 10 Mal soviel und nicht, was vielleicht angemessen wäre, doppelt so viel wie eine 8-Stunden-Malocherin. Außerdem: Wenn jemand längerfristig 16 Stunden täglich arbeiten kann, bedeutet das bloß, dass die Arbeit entsprechend leicht ist. Nach 16 Stunden am Fließband oder beim Regale-Packen bist du krankenhausreif.
Bei gleichem Lohn für jede Arbeit würden die Menschen zunächst bestrebt sein, das zu arbeiten, was sie möchten, was ihnen am Herzen liegt. Die einen würden gerne Straßen fegen, die anderen lieber programmieren, die dritten am liebsten splitten: mal körperliche Arbeit, mal geistige. Es gäbe z.B. keine ÄrztInnen mehr, die bloß auf Geld und/oder Prestige aus wären. ÄrztInnen wären diejenigen, die ÄrztInnen sein wollen. Ihr Können im Allgemeinen wäre besser. Nicht mehr diese beschränkte Auslese beschränkter Menschen aus betuchten Familien. Und: motivierte Menschen entwickeln mehr Ideen -- Verbesserungsideen überall!
Zu berücksichtigen wäre: Manche brauchen mehr Zeit für sich als andere, zum Beispiel, weil sie eine scheiß Kindheit hatten, oder weil der Alltag für sie wegen normabweichender Konstitutionen mehr Mühe macht, oder weil sie unbedingt etwas machen wollen, dessen Sinn und Nutzen außer ihnen niemand versteht. Solche Dinge wären zu berücksichtigen, könnten auch ohne Zwang und Kontrollen berücksichtigt werden. Die meisten Menschen haben sowieso meistens Lust, was für andere zu machen, was auf die Beine zu stellen, das Anerkennung findet. Ohne Arbeitszwang gäbe es keinen Grund, auf sogenannte Faulenzer neidisch zu sein. Sogar diejenigen, die Arbeit als Wert für sich ansehen, könnten nach ihrer Erfahrung urteilen, also z.B. sich mal fragen, ob sie überhaupt Leute kennen, auf die Urteile wie "faul" usw. zutreffen und denen es dabei psychisch auch noch gut geht.
Mir ist noch kein Kind begegnet, das mir nicht auf die Nerven geht, weil es bei allem Möglichen mithelfen will, was es noch gar nicht kann. Abwaschen zum Beispiel. Ist mir ein Rätsel, wie jemand sowas freiwillig machen wollen kann. Man kann Kindern die Lust auf Arbeit natürlich vermiesen, so dass sie als Jugendliche dann wie ein Schluck Wasser in den Ecken hängen. Kostet aber einige Arbeit, das zu erreichen.
Wahrscheinlich gäbe es Arbeiten, auf die zu wenig Menschen Lust hätten. Solche Arbeiten müssten dann privilegiert werden. Jetzt nichts gegen Müllabfuhr: aber, wenn sich zu wenig finden, die Müllabfuhr gerne machen, dann muss eben mit Vorteilen gelockt werden: mehr Urlaub, kürzere Arbeitszeit, mehr Lohn, frühere Rente. Entsprechend umgekehrt ließe sich das bei Berufen regulieren, die zu beliebt sind. Nach Angebot und Nachfrage eben. Echte Marktwirtschaft!
Also doch: unterschiedliche Löhne. Aber eben anders als jetzt: auf der Basis, dass alle Menschen gleichwertig sind. Unser Selbstwertgefühl wäre anders, das ganze Zusammenleben, die ganze Gesellschaft.

