Übersicht privater Klinikbetreiber

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Seit der Vereinigung Deutschlands ist der Anteil privater Krankenhausträger von 14 auf 25% gestiegen. Die drei größten Krankenhausbetreiber Europas kommen alle aus Deutschland: Helios, Asklepios und Rhön-Kliniken. In den 1990er Jahren wurden vornehmlich in Ostdeutschland kleine Spezialklinken privatisiert. Seit dem Jahr 2000 werden auch in den alten Bundesländern große medizinische Versorgungseinrichtungen verkauft. Seit 2005 hat der Umfang an Privatisierungsvorhaben solche Ausmaße angenommen, dass das Bundeskartellamt mehrere Privatisierungsvorhaben untersagt oder nur mit Auflagen gestattet hat. (SO! 6.3.08)

Gleichzeitig liegt Deutschland in Bezug auf die öffentlichen Investitionen in Krankenhäuser gemessen am Bruttoinlandsprodukt innerhalb der EU hinter Slowenien, Polen, Griechenland und Portugal auf dem letzten Platz. Die USA und Japan investieren mehr als das Zweieinhalbfache ihres Bruttoinlandsprodukts in Krankenhäuser. Nach Schätzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft besteht bundesweit eine Investitionslücke von etwa 50 Mrd. Euro. Neben der wegen der Steuerpolitik prekären finanziellen Lage der öffentlichen Haushalte ist dieser Investitionsstau maßgeblich für den in Deutschland besonders starken Privatisierungsdruck verantwortlich. (Nils Boehlke: "Die Kliniken gehen am Stock!" in "Sozialismus" 10/2007)


Inhaltsverzeichnis

Einzelne Betreiber

Ameos

Stand September 2006

Die Ameos Gruppe kontrolliert rund 50 Einrichtungen an 20 Standorten mit ca. 4.200 MitarbeiterInnen.

Es wurde berichtet, dass Ameos bei Auszahlungen an das Personal bestehende Regelungen missachtete. Von Ameos Pflegeheimen wurde berichtet, dass die Pflege der BewohnerInnen wegen Personalmangels unzureichend sei und gesetzliche Bestimmungen nicht eingehalten werden können. Diese Berichte werden bestritten.

Im Februar 2005 wude die Ameos-Klinik Dr. Heines bestreikt, um Tarife entsprechend der Standards öffentlicher Krankenhäuser zu erreichen.

Asklepios

Stand November 2006

Unter der Kontrolle von Asklepios befinden sich rund 90 Einrichtungen mit über 20.000 Beschäftigten.

Im November 2006 warnte ver.di öffentlich vor einer Übergabe öffentlicher Kliniken an Asklepios. "Nicht die Sorge um Patienten und Beschäftigte steht im Mittelpunkt der Konzernpolitik, sondern Gewinnmaximierung um jeden Preis", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke.

Im August 2004 beschloss der Hamburger Senat unter Missachtung eines Volksentscheids die Übergabe des Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg an Asklepios, während kurz zuvor in der Asklepios-Klinik Bad Oldesloe sowie in den Pflegezentren Ahrensburg und Reinfeld per Aushang Verzögerungen bei der Auszahlung der Juni-Gehälter angekündigt wurden.


Ergänzung März 2008

In Hamburg hat der Senat einen der wichtigsten Bereiche der Daseinsfürsorge aufgegeben. Die Krankenhausprivatisierung ist mit einem Abbau demokratischer Rechte und Kontrolle einhergegangen, die medizinische Versorgung hat sich verschlechtert, fast 2.000 Mitarbeiter sahen im Klinikbetrieb für sich keine Perspektive mehr, Asklepios weigert sich, den Tarifvertrag Öffentlicher Dienst zu übernehmen, steigert die Arbeitsintensität und den Kostendruck auf die Mitarbeiter. Eine Entlastung des Senatshaushaltes ist auch durch die Art und Weise der Ausgestaltung des Kaufvertrages nicht zu erwarten. (SO! 6.3.08)

Deutsche Klinik

Stand August 2006

Nach Auskunft des „Krankenhausfördervereins Bodenseekreis-Krankenhaus Tettnang" vom April 2005 ist in (mindestens) einem Krankenhaus der Deutschen Klinik die Zufriedenheit der Mitarbeiter ... positiv [zu] bewerten. Es gebe einen einvernehmlichen Haustarif, welcher in seinem Vergütungsniveau geringfügig unterhalb des BAT liegt.

Ende 2006 wurde das Unternehmen vom schwedischen Gesundheitskonzern Capio gekauft.


Fresenius

Stand November 2006

Zu Fresenius gehören die Wittgensteiner Kliniken und Helios.

Der Fresenius-Konzern hat 100 – 98 %ige Tochterfirmen in Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien, Großbritannien, Frankreich, der Türkei, Spanien, Portugal, Finnland, Dänemark, Russland, den Niederlanden, Belgien, der Tschechischen republik, der Schweiz, Polen, Rümänien, der Slowakei, Marokko, Südafrika, Slowenien, Schweden, den USA, Brasilien, Kolumbien, Venezuela, Argentinien, Mexiko, Chile, Japan, Südkorea, Taiwan, Australien, Singapur, Hongkong, China, den Philippinen, Malaysia und Thailand.

In einem Tochterunternehmen, der Novamed GmbH - Antalya (Türkei), herrschten menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, die durch gewerkschaftlichen Kampf bis Mitte 2006 weitgehend überwunden werden konnten. Zur Zeit wird dort gestreikt.

2000 zahlte Fresenius in den USA im Zusammenhang mit betrügerischen Rechnungen an die staatliche Gesundheitsversorgung (Medicare) 486 Millionen US-$.

Helios

Stand Dezember 2006

Die Helios Kliniken GmbH trennte sich 1994 von Asklepios. Zum Jahresende 2005 genehmigte die EU-Kommission die Übernahme von Helios durch Fresenius mit rund 94% der Anteile. Die Helios Klinik Kette wurde damit zu einem Teil der Fresenius ProServe GmbH, zu der auch die Wittgensteiner Kliniken gehören.

Helios konnte 2003 knapp 4,5 Mio. € an die Gesellschafter ausschütten. Für das dafür nötige günstige operative Ergebnis machte Helios denSanierungsbeitrag der Stadt Wuppertal zu Gunsten des Klinikums in Höhe von €50,8m verantwortlich.

Seit Oktober 2006 ist Roland Berger Mitglied des Aufsichtsrats von Helios.

Marseille

Stand November 2006

Die Marseille-Kliniken AG (MKAG) besitzt 61 Einrichtungen mit rund 5.000 MitarbeiterInnen v.a. im Bereich der Alten- und „Behinderten“-Plege und der Rehabilitation.

Im Juni 2006 bezeichnete ver.di die Zustände im Herner Altenheim Flora Marzina, das zur MKAG gehört, als "unzumutbar" für BewohnerInnen und Beschäftigte. Das Altenpflegeheim gehört zur Marseille Kliniken AG. Da MKAG auf vorangegangene Mängelklagen nicht reagiert hatte, schalteten sich Bauordnungsamt und Gesundheitsamtsamt ein.

Zwecks Schuldenabbau verkaufte die MKAG Ende 2004 zwölf ihrer Altenpflegeeinrichtungen mit 1.500 Betten für rund 100 Mio. € an General Electric/GE Commercial Finance, um sie dann zurückzumieten.

Die MKAG pflegt über eine Tochtergesellschaft Verbindungen zu Universitäten und Universitätskliniken. Trump Deutschland, an der die MKAG beteiligt ist, verklagte 2004 die Stadt Stuttgart auf Schadensersatz in Millionenhöhe, weil sie ein Bauvorhaben nicht genemigte.

Gegen Ulrich Marseille, Aufsichtsratsvorsitzender und Hauptaktionär der Marseille Kliniken, ermittelt seit Oktober 2004 die Staatsanwaltschaft wegen Bilanz- und Urkundenfälschung.

MediClin

Stand November 2006

Die MediClin AG betreibt 30 Klinikbetriebe und sechs Pflegeeinrichtungen in elf Bundesländern mit rund 6.900 MitarbeiterInnen und rund 7.000 Betten.

Im Zusammenhang mit der Übergabe des [Crivitz|Krankenhauses am Crivitzer See] an MediClin 2001/2005 gibt es offene Fragen bezüglich des Fördervereins für dieses Krankenhaus, der trotz der Übergabe noch als "gemeinnützig" gilt. In der Lokalpresse scheint der Eindruck erweckt zu werden, das Krankenhaus sei noch immer eine gemeinnützige GmbH.

MediClin ist über ERGO Trust und die Deutsche Krankenversicherung AG (DKV) mit der Rhön-Klinikum AG und mit Sana verbunden.

Neue Pergamon

Stand November 2006

Die Neue Pergamon Krankenhaus Management GmbH (NPK) betreute bundesweit mehrere Krankenhäuser, Reha-Kliniken und andere Einrichtungen. Sie ging pleite, nachdem G., dem Haupgesellschafter der NPK, Betrügereien als Geschäftsführer des Klinikums Ludwigshafen vorgeworfen wurden. Seit dem 13.10.2006 steht die Neue Pergamon offiziell unter Insolvenzverwaltung.

Rhön

Stand November 2006

Die Rhön-Klinikum AG (RKA) betreibt rund 45 Kliniken mit 14.620 Betten/Plätzen mit mehr als 30.000 Beschäaftigten an 34 Standorten in acht Bundesländern.

Die RKA arbeitet in einem Beziehungsgeflecht von Regierung, Versicherungskonzernen und Krankenkassen. Dabei strebt sie eine Art Taylorisierung der Gesundheitsversorgung an und nimmt entsprechenden strategischen Einfluss auf die Entwicklung des Gesundheits- und Bildungssystems. Die RKA schließt aus Prinzip nur „individuelle Hausverträge“ ab und kauft Krankenhäuser nach eigenen Aussagen nur, wenn sie Mehrheitseignerin wird. Rhön wird vom Bundeskartellamt daran gehindert, in einigen Gebieten weitere Kliniken aufzukaufen, wodurch möglicherweise das Geschäftskonzept der „Teleportal“-Kliniken in Gefahr gerät.

Im Klinikum Salzgitter kam es im September 2006 im Zusammenhang mir der Ausgliederung von Servicebereichen zu gewerkschaftlichen Aktivitäten, auf die die RKA-Geschäftsführung einlenkend reagierte.

Sana

Stand November 2006

Sana kontrolliert bundesweit 65 Kliniken, davon 32 Kliniken im Managementauftrag. Das Unternehmen gehört privaten Krankenversicherungen. Bei Sana arbeiten rund 9.500 Vollzeit-Beschäftigte bei 6.700 Betten.

Von Sana übernommene Häuser in Stuttgart machten enorme Defizite, so dass die Managementverträge gekündigt wurden.

In Hamburg wurde ein von Sana gekauftes Krankenhaus wieder an den ursprünglichen Träger zurück verkauft.

In Lübeck geriet Sana mit dem Rathaus in einen Streit und wurden von Sana gekaufte Einrichtungen geschlossen.

Anderswo gliedert Sana Dienstleistungen aus.

Beim Versuch, österreichische Einrichtungen zu übernehmen, stieß Sana auf heftige Kritik von Seiten der Ärztekammer Steiermark.

SRH

Stand November 2006

Im SRH Konzern, einer gemeinnützigen Stiftung, arbeiten rund 7.400 Menschen. Das Unternehmen betreibt acht Kliniken sowie einige Fachhochschulen, Berufsfachschulen und Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation, v.a. in der Form gemeinnütziger GmbHen.

Waldburg-Zeil

Stand Juni 2005

In Waldburg-Zeil Kliniken ist nach Informationen des „Krankenhausfördervereins Bodenseekreis-Krankenhaus Tettnang" eine hohe Patienten- und Mitarbeiterakzeptanz gegeben.

Vivantes

Stand November 2006

Die Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH ist in Berlin aktiv und versorgt rund 30% aller dortigen KrankenhauspatientInnen. Sie bietet rund 13.500 Arbeitsplätze und gehört der Stadt Berlin.

Im Sommer 2004 unterstützte der Berliner Senat Vivantes durch eine Umschichtung von Schulden, die Vivantes beim Land hat. Eine ehemalige Altenpflegerin im Vivantes – Forum für Senioren klagte erfolglos auf Wiedereinstellung. Sie war entlassen worden, nachdem sie Strafanzeige gegen die Vivantes-Geschäftsführung erhob. Sie sei gezwungen worden, nicht geleistete Arbeiten in einem Vivantes-Heim als geleistet zu dokumentieren.

Gesamtansichten


Externe Links

Karten

BILD: karte2000.gif BILD: karte2005.gif

Zum Herunterladen:
Karte 2000/2001 als PDF und Karte 2005/2006 als PDF (mit Städtenamen).

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